
Gefühlt sollte unser Leben ja immer und zu jeder Zeit bestens organisiert sein, wir dürfen/müssen/sollen alles unter Kontrolle haben.
Ich bin nachweislich kein Fan solcher von fremder Hand gemachten Vorgaben, aber nach einem Gespräch mit unserer Tochter neulich habe ich mich gefragt, was ich denn eigentlich wirklich unter meiner Kontrolle habe. Und ob ich Dinge dennoch beeinflussen kann.

Wie viel Kontrolle ist gut?
Wer von uns kennt es nicht, dieses weise Zitat, das Lenin zugeschrieben wird?
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
In dem Gespräch mit dem Tochterkind ging es darum, ob man mithilfe von Kontrolle Situationen oder Stimmungen verändern kann.
In ihrem Fall war das möglich, jedoch ist mir eben dabei und beim Lesen des Buches der Let Them Theorie aufgefallen, dass wir vieles gern kontrollieren würden, es aber gar nicht immer können.

Darum habe ich für mich mal eine Liste zusammengestellt über das, was ich aktiv kontrollieren kann und was nicht.
Dabei geht es nicht um Alltagssituationen oder Hausaufgaben oder Aufgaben in einer Beziehung. Es ist emotional betrachtet. Sich dieses noch einmal vor Augen zu führen, bringt durchaus dann auch Erleichterung mit sich.
Dinge, die ich kontrollieren kann
- Meine Grenzen
Egal, worum es bei diesen Grenzen geht, sei es der Verzicht auf etwas, wie oft man mir wehtun oder mich nicht nett behandeln darf, wie weit ich bei Dingen selber gehen würde, was ich mich traue. Meine Grenzen sind meine Grenzen, die weder ich überschreiten möchte, noch dass ich zulasse, dass sie überschritten werden. Ich passe darauf auf und sorge dabei für mich.
- Meine Haltung
Mein Verhalten anderen Menschen gegenüber, meine Einwände oder Ablehnungen, meine Zustimmung, mein Umgang mit Menschen und Situationen, ich kann mich jederzeit reflektieren und meine Haltung und mein Verhalten anpassen.

- Meine Reaktionen
Wie ich auf das Benehmen, das Verhalten, die Zu- und Abneigung anderer Menschen reagiere, habe ich jederzeit selbst in der Hand.
Es ist an mir, aus Situationen zu gehen, auf sie zu reagieren. In meiner Art und Weise und wie ich es mir für mich ausgesucht habe.
- Wie ich meine Gefühle ausdrücke
Sage ich, was ich empfinde, bin ich überschwänglich, reserviert, laut, leise, offen, zurückhaltend? Das kontrolliere ich und bleibe dabei bei mir selbst.

- Meine Werte
Ich achte immer wieder darauf, nach meinen Werten zu leben. Ich justiere sie, weiche nur davon ab, wenn ich es möchte. Wobei meine Werte schon zementiert sind und niemand anderes (auch Situationen nicht) darauf Einfluss haben.
- Meine Gedanken
Ich kontrolliere meine Gedanken mit einer gewissen Hygiene. Denn ich möchte nicht zulassen, dass das Schlechte oder Unschöne in meinen Gedanken den Hauptpart einnimmt. Darum suche ich auch an nicht guten Tagen immer etwas, was mich erfreut.
Genauso geht es mir mit meinen Gedanken generell. Es ist nie alles furchtbar, schlecht oder doof. Hetze und Besserwisserei, die nicht fundiert und blabla ist, haben in meinem Kopf keinen Platz.

- Meine Wünsche und ‚Forderungen‘
Ich habe Träume und ich habe Wünsche. Während Träume auch groß sein dürfen, wünsche ich mir nichts, was unerreichbar erscheint. Das frustriert doch nur. Auch sog. Forderungen sind bei mir nie uferlos.
- Meine Lebensführung
Jeden Tag Currywurst mit Pommes oder drei Tafeln Schokolade? Immer um 0 Uhr ins Bett und mäkelig und ungepflegt durch den Tag schlurfen?
Natürlich kann man das machen, wenn man es gut findet. Ich mag Currywurst und Schokolade auch. Natürlich gehe ich gern auch mal später ins Bett. Im Großen und Ganzen weiß ich aber, was und wer mir guttut. Dass ich meine Haut, meine Zähne, mich pflege und gut zu mir bin. Dass es ein Gleichgewicht in meinem Leben gibt. Tatsächlich haben wir in den allermeisten Fällen auch genau darüber die Kontrolle.

Was ich NICHT kontrollieren
- Die Handlungen und Gedanken anderer
Mein Mann hat mir das damals in einer wirklich miesen Phase einer Freundschaft ziemlich klar auf den Kopf zugesagt: Du wirst nie beeinflussen, was sie denken und tun, wenn sie aus deinem Blickwinkel verschwinden. Aber du kannst dir überlegen, wie du mit solchen Dingen umgehen möchtest.
Und das ist die bittere Wahrheit. Aber ich habe eine Wahl. Ich kann etwas dagegen sagen, versuchen, etwas dagegen zu tun, mich mit anderen zusammenschließen, oder die Menschen und Situationen verlassen.
- Die Vergangenheit und auch die Zukunft
Ich kann meine und die Vergangenheit allgemein nicht kontrollieren, die Zukunft übrigens auch nicht. Was ich jedoch kann, ist meine Lehren daraus zu entwickeln und so versuchen, mein bestes Leben zu leben.

- Die Fehler, die andere machen
Fehler gehören zum Leben, die Kontrolle über die Fehler anderer habe ich jedoch nicht. Das darf mich aber nicht davon abhalten, sie zu unterstützen, wenn sie es wünschen. Oder ihnen gegebenenfalls zu verzeihen, nicht dauernd darauf herumzuhacken.
- Das Benehmen anderer
So sehr ich mein eigenes Verhalten und Benehmen unter Kontrolle haben kann, so machtlos bin ich dabei zunächst bei anderen Menschen.
Mehr als sie zu loben oder ihnen entgegenzutreten bei schlechtem Benehmen bleibt mir nicht.

Hast du alles unter Kontrolle?
Ständige Kontrolle im physischen Sinn hat etwas Schreckliches, finde ich. Da halte ich es lieber mit Lockerheit. Aber zu wissen, wo meine Verantwortung und mein Handeln liegen und helfen können, wo ich selbstbestimmt agieren kann, das finde ich schon sehr hilfreich.
Wie seht ihr das? Seid ihr Kontrolettis? Erleichtert euch das Wissen, nicht alles kontrollieren zu können?
Startet gut in die neue Woche.
Alles Liebe,
Eure Nicole






Ganz schön komplex das ganze. Ich versuche ja, Gespräche auf eine angenehme Basis zu bringen. Wenn wer bissel doof wird, versuche ich es weiter. Aber wer richtig doof wird, muss ohne mich weiterspielen. In dem Sinne kontrolliere ich das schon. Und ich mag nicht ausgenutzt werden oder als Ausrede herhalten, das kann ich so gar nicht haben. Ob mich damit jemand dann doof findet, ist dessen Angelegenheit.
generell hab ich lieber mit netten Menschen zu tun, sonst würde ich hier nicht mitlesen.
Liebe Grüße
Ilka
Ja, aber deine Kontrolle ist auch eher eine Kontrolle für dich- denn den Impuls kannst du ja zunächst nicht kontrollieren.
Das Thema ist in der Tat sehr komplex, wichtig ist nur, dass jeder für sich einen guten und gesunden Umgang damit findet.
Liebe Grüße
Nicole
So sollte man das wirklich immer mal wieder für sich reflektieren. Sonst reibt man sich an Dingen auf, die man überhaupt nicht beeinflussen kann und verschwendet seine Energie an der völlig falschen Stelle. In mancher Hinsicht bin ich ein furchtbarer Kontroletti und liebe z.B. mein Haushaltsbuch, das akribisch geführt wird. Meinen Teammitgliedern hingegen schenke ich sehr viel Vertrauen und nehme mich bewusst zurück. Dafür bleibt mir dann mehr Zeit und Ruhe, um mich mit wichtigen Entscheidungen zu beschäftigen – die ich dann auch wieder kontrollieren kann.
Liebe Grüße!
Ja, genauso sehe ich das auch. Ich glaube, du bist eine tolle Teamleiterin, denn so macht Arbeiten eben auch Spaß, wenn man Vertrauen und Unterstützung genießt.
Liebe Grüße
Nicole
Liebe Nicole,
ich finde es ganz wichtig, sich klar zu machen, dass manche Dinge einfach nicht kontrollieren kann. Das hilft schon, um etwas mehr Gelassenheit gerade in unruhigen Zeiten zu bewahren.
Ich bin auch so ein Kontrollfreak – das war vor allem hart, als meine Kinder älter wurden und ich sie nicht mehr so behüten konnte, wie ich gerne gewollt hätte.
Ich hab mir über Dein Thema auch schon mal Gedanken gemacht, über das, was man kontrollieren kann, das was nicht und was man zumindest – als dritte Kategorie – beeinflussen kann. Unterm Strich ist es dann doch mehr als man denkt – und das tut der kontrollierenden Seele dann wiederum ganz gut
Liebe Grüße
Britta
Liebe Britta,
bei den Kindern ging es mir damals auch so. Und dann habe ich gedacht, sie haben so viel Liebe und Bewusstsein mitbekommen, die machen das hoffentlich. Das haben und machen sie immer noch. Allerdings ist es auch da so, dass wir es nicht immer in der Hand haben. Kommt der falsche Mensch zum falschen Zeitpunkt..
Ja, das Beeinflussen kann funktionieren und ist ein guter Punkt. Aber auch da haben wir keine Kontrolle. Das zu wissen macht auch reich, finde ich.
Liebe Grüße
Nicole
Oh, es gab Zeiten, da war ich ein Kontrolletti (gepaart mit einem Perfektionisten) aus dem Bilderbuch. War, zusammenfassend gesagt, keine besonders gute Zeit.
Und dann habe ich gelernt, dass ich lediglich das kontrollieren kann, was in meinem Einflussbereich liegt. Also meine Gedanken und Handlungen. Was Andere tun und denken, ist ihr Ding. Liegen sie mir am Herzen, kann ich mit ihnen drüber reden und ihnen meine Haltung klarmachen. Ohne Anspruch darauf, dass sie das dann genauso sehen. Damit komme ich heute prima zurecht und habe den Kontrolletti für alle Zeiten in den Keller geschickt :-)
Liebe Grüße
Fran
P.S. Was ich allerdings wenig leiden kann, ist, wenn andere Menschen ihre Emotionen völlig ungefiltert vor mir auskippen. Ich kann sie dann bitten, das zu lassen und sich in den Griff zu bekommen. Anspruch darauf habe ich nicht. Aber ich kann mich einfach umdrehen und gehen. Und DAS finde ich großartig. Hätte ich früher nämlich nicht gekonnt. Da hätte ich stundenlang diskutiert…
Ich fühle einfach jedes deiner Worte. Das P.S ist leider so wahr wie unschön. Das Schöne ist das Gehen. Und es auch zu machen.
Und dass der Kontrolletti im Keller wohnt, ist auch sehr gut.
Liebe Grüße
Nicole
Ich glaube, es ist ganz gut, dass man nicht alles kontrollieren kann. Sonst könnte man die Menschen viel mehr manipulieren. Wenn mich das Verhalten eines Menschen so ärgert, dass ich gar nicht damit klarkomme halte ich mich von ihm fern. Ansonsten sollte man auch mal Fünfe gerade sein lassen.
Liebe Grüße
Sabine
Ja, ich sehe das wie du. Dennoch ist diese Situation, wo wir hoffen, dass etwas Bestimmtes oder ein besonderes Verhalten herauskommt oder erreicht wird, auch eine Form von ‚Kontrolle‘
Liebe Grüße
Nicole
Guten Morgen Nicole, das mischt sich je nach Tag und Laune. Manchmal lass ich andere einfach walten, obwohl ich weiß, dass sie im Unrecht sind. Ein anderes Mal kämpfe ich für die Gerechtigkeit.😁 ich glaube auch die Mischung macht es, denn alles und andere kontrollieren zu wollen, ist ganz schön anstrengend. gerade beruflich weiß ich nie, was mich erwartet und muss ganz schnell auch mal umdenken und ja auch kontrollieren. Manchmal auch meine Gedanken um meine Reaktion entsprechend anzupassen. Ich liebe deine Fotos.💕 Ich wünsche dir einen wunderschönen Dienstag, liebe Grüße Tina
Ja, ich mache das auch oft. Aber mir hilft sehr zu wissen, dass ich eben nicht alles kontrollieren kann.
Danke für dein liebes Kompliment.
Liebe Grüße
Nicole
Vieles Unangenehme, was einem so auffällt kommt für mich daher, dass sich viele Menschen nicht unter Kontrolle haben. Sie kontrollieren statt dessen die anderen und das meist lautstark mündlich oder schriftlich. Vielleicht kommt es auch daher, dass Kontrolle über das eigene Leben, so wie es schreibst, eben praktisch nicht möglich ist und das viele ängstigt.
So wie Du es machst mit Deinen Grenzen, das können nicht viele Menschen..
Es gibt einen Sinnspruch, der einfach klingt, aber es nicht ist:
„Gott gebe mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.“
(Wer mag, kann Gott dabei weglassen, das andere stimmt dennoch.)
Dieses Zitat wird manchem zugeschrieben, wer es letztlich gesagt hat, ist nicht wirklich verbürgt.
Das ist doch schon eine gute Übung für die mangelnde Kontrolle über die Urheberschaft und die dazu nötige Gelassenheit…
Die muss ich auch noch öfters üben :-)
Herzlich,
Sieglinde
Ich liebe diesen Sinnspruch sehr, beschreibt er doch in Kürze das, was ich in lang beschrieben habe 😉. Gerade gestern ist mir das auch nicht gut gelungen, wie mein Mann mir schmunzelnd mitteilte.
Du siehst, wir sind uns da ähnlich. Und ich gebe dir mit allem recht.
Liebe Grüße
Nicole
Interessante Gedanken. Ich bin eine Mischung aus Typ Kontroletti und Laissez-faire, es hängt sehr vom Moment ab und worum es geht.
Deine Erkenntnis, die Gedanken anderer Menschen nicht kontrollieren zu können, finde ich schön auf den Punkt gebracht für Sachen, die man wirklich nicht ändern kann. Man kann ihnen Informationen geben und versuchen, sie zu anderem Denken zu bewegen – kontrollieren aber kann man das nicht.
Für heue wünsche ich dir einen Tag, an dem alles unter Kontrolle ist, was kontrolliert gehört.
Liebe Grüße
Ines
Ja, genauso sehe ich das auch.Es sich ab und an bewusst zu machen, ist immer wieder gut. Ich hätte dich wohl so verortet..
Liebe Grüße,
Nicole