
Drei Generationen, zwei Kulturen, viele Erinnerungen, Schweigen, Geheimnisse und Herzschmerz, so kann man den Roman Aylas Lachen umschreiben. Dieser Roman, soviel sei vorweggenommen, ist allerdings deutlich mehr als ein seichtes Geschichtchen.
Es ist ein Roman, der berührt, nachdenklich stimmt, (mehr) Verständnis weckt und eben auch eine Lesefreude ist.

Warum Aylas Lachen ein should read ist
Kein Mensch muss müssen, das wusste ja schon Nathan der Weise und es ist eines meiner liebsten Zitate. Warum dieses Buch dennoch gelesen werden sollte? Das werde ich euch gleich erzählen.
Mich hat der Klappentext neugierig gemacht, dass die Geschichte so tief gehen würde, hat mich dann doch überrascht. Zumal einige der Abschnitte aus einer Zeit stammen, in der auch ich als Randperson quasi ‚dabei‘ war.
Die Handlung des Buches
Ayla wächst als Tochter türkischer Gastarbeiter in der Nähe von Konstanz auf. Sie sehnt sich nach der Liebe ihres Vaters, den sie Baba nennt. Dieser wirkt jedoch sehr kalt, fast versteinert.
Wenn sie ihre Eltern als Paar sieht, dann vernimmt Ayla leisen Streit oder es herrscht Schweigen. Als Kind versucht sie alles, um zu gefallen.
Sie lernt früh, dass Kinder von Gastarbeitern sich anpassen sollen, nicht zu laut sein sollen und einfach nur existieren.
Das zumindest versucht ihr Vater ihr zu vermitteln.

Die Wärme in ihrem Leben
Wahre Herzenswärme verspürt Ayla nur, wenn sie die Sommerferien mit ihren Eltern bei ihrem Großvater Mesut verbringt. Mesut ist ein großer Geschichtenerzähler, oft verschwimmen Wahrheit und Fiktion. Sie liebt es, mit ihm unter dem Feigenbaum in seinem Garten zu sitzen und ihm zu lauschen.
Lange bleibt unentdeckt, warum ihr Vater bei diesen Ferien zwar immer mitfährt, aber nie an diesem Ort dabei ist. Dennoch genießen die Kinder diese Zeit sehr. Auch Hava, ihre Mutter, lebt nur für diese Zeit.
Sie versucht sich zu integrieren in Deutschland, aber ihr Mann Ertan verhindert dieses und auch die Umstände, dass sie aus ihrer Umgebung nicht herauskommt, machen es ihr nicht leicht. Auch in ihrer Ehe ist sie unglücklich.

Die Kinder überraschen ihre Eltern
Beide Kinder, Ayla und Bruder Yasin, finden in ihrer Schulleitung eine wohlwollende Mentorin, die sie in ihren sehr guten schulischen Leistungen unterstützt und ihnen auch gerne behilflich ist.
Das ist für die Kinder sehr wichtig, aber dennoch ist es für die beiden nicht einfach, denn auch damals gab es böse Spitznamen und Vorbehalte. Ayla hat jedoch ein starkes Gemüt und geht selbstbewusst ihren Weg.
Die Ehe der Eltern scheitert und wer ist der geheimnisvolle Anrufer?
Ayla belauscht ihre Mutter bei geheimnisvollen Telefonaten in der Nacht. Aber sie erfährt zunächst nicht, wer der Anrufer ist. Irgendwann reicht es Hava und sie trennt sich von Ertan. Sie findet heraus, dass er ihr nicht bei allem die Wahrheit gesagt hat.
Sie nimmt die Kinder und geht.

Ein neues Selbstbewusstsein und Ayla geht nach Berlin
Ayla gelingt es, das Abitur zu machen und sie verwirklicht ihren großen Traum, in Berlin zu studieren.
Während ihrer Abwesenheit durchläuft auch ihre Mutter eine Art Mauser und wird selbstbewusst. Als Ayla sie besuchen kommt, hat die Mutter den Führerschein erworben und ein Auto gekauft.
Zu dritt machen sie sich auf den langen Weg in die anatolische Heimat. Um die Vergangenheit zu erklären und die Zukunft neu schreiben zu können.

Warum ich dieses Buch so lesenswert finde
Dem Autor gelingt es in wunderbarer Weise, uns das Leben in diesen beiden Kulturen und ihre Berührungs- und Abstoßungspunkte zu zeigen. Er schreibt in einer sehr einfühlsamen und klaren Sprache und erzählt dabei sehr lebendig und auch humorvoll.
Ich hatte in meiner Grundschule ein Mädchen in der Klasse, deren Sein und Werden ich mit Ayla vergleichen kann. Und es macht uns noch einmal sehr deutlich, dass es nicht einfach ist, sein Erbe zu bewahren und gleichzeitig ein kulturell völlig anderes Leben zu leben.



Dass aber genau das gelingen kann, wenn der eigene Wille dazu ausgeprägt und vorhanden ist und die Bereitschaft zur Unterstützung Hand in Hand damit geht.
Das Buch hat mich aus diesen Gründen sehr berührt.
Wäre das ein Buch für dich?
Alles Liebe,
Eure Nicole
Der Link zum Buch ist ein reiner Hinweis. Ich verdiene nichts daran und wurde nicht für diesen Beitrag bezahlt. Herzlichen Dank an den Rowohlt-Verlag, dass sie mir dieses Buch zur Verfügung gestellt haben und für die freundliche und zuverlässige Zusammenarbeit.






liebe Nicole, ich kann mir gut vorstellen, dass es so in vielen Gastarbeiter Familien ausgesehen hat und vielleicht heute auch noch aussieht. Zumindest macht es oft den Eindruck, gerade ältere türkische Frauen können ganz schlecht Deutsch sprechen und werden von ihren Kindern gedolmetscht zum Beispiel bei uns in der Praxis. Ich kann verstehen, dass dich das Buch berührt, denn wir sind doch mit diesen Gastarbeiter Kindern befreundet gewesen. Genau dein letzter Abschnitt ist es, woran man denken muss. Es ist nicht einfach. Ich denke das Buch könnte mir auch gefallen. Liest du echt im Flugzeug? Ich habe mir schon öfter Bücher mit an Bord genommen aber dann tatsächlich nie gelesen. Komisch eigentlich aber ich kann mich da nicht konzentrieren. Ich wünsche dir einen schönen Abend liebe Grüße Tina
Ich denke ganz oft, wenn ich ein Buch lese, ob es dir gefallen könnte 😉. Bei diesem bin ich sicher, aber ich denke, es ist etwas für Tage mit ‚mehr‘ Zeit.
Ja, ich lese im Flugzeug, aber nie besonders viel. Denn ich bin dort auch immer schnell schläfrig oder auch nicht konzentriert. Aber für das eine oder andere Kapitel reicht es.
Liebe Grüße
Nicole