LifestyleGedankenfluss

Glow statt Alltagsgrau: Wieviel Wachstum ist eigentlich gesund?

Wann immer man in Podcast-Folgen, auf den sozialen Medien oder auch in Zeitschriften stöbert, stolpert man oft und öfter über das Wort Wachstum. Dabei ist es völlig egal, ob es um Finanzen, das Leben, persönliches und individuelles Wachstum, Follower oder dergleichen geht. Die Wahrheit, die uns dabei vermittelt werden soll, ist, dass nur der Weg nach oben der wahre und einzige Weg ist.

Ich beobachte, ob von Ferne oder aus der Nähe, was das manchmal mit Menschen machen kann. Und habe mir aus diesem Grund die Frage gestellt: Wieviel Wachstum ist eigentlich gesund? Und ordne diesen Beitrag meiner Serie: Glow statt Alltagsgrau zu.

Glow statt Alltagsgrau-Wieviel Wachstum ist gesund-lifewithaglow

Wachstum, so wichtig wie inflationär im Gebrauch

Ich bin in meinem Leben schon tüchtig und oft gewachsen: in die Länge, in die Breite, an mir selbst und über mich hinaus. Dazwischen war es ein relativ konstantes Wachstum, denn alles, was ich erlebe und für mich verinnerliche, zahlt ja auf mein Wachstumskonto ein. Selbst die Momente, wenn ich mich klein fühlte, sind auch eine Form von Wachstum.

Dennoch ist es nicht so, dass ich mir mantraähnlich jeden Tag vorpredige, dass ich noch wachsen muss oder darf. Oder wo. Dass mein Leben nur dann gut (genug) ist, wenn dieser Punkt des Ausgewachsenseins nie erreicht ist. Ich möchte diesen Druck nicht bewusst auf mich wirken lassen, denn dabei verpasse ich vielleicht das echte Leben.

Ähnliche Artikel

Das bedeutet nicht, dass ich Wachstum, Entwicklung oder Lernen ablehne. Im Gegenteil. Aber es muss Spaß machen und mich wirklich bereichern. Und einfach mal stehen zu bleiben kann auch schön sein.

Glow statt Alltagsgrau-Wieviel Wachstum ist gesund-lifewithaglow

Entwicklung und Persönlichkeit brauchen nicht unbedingt ein Maß

Wer entscheidet denn, was ‚korrektes‘ Wachstum ist? Ich habe schon bei den Kindern diese Maßtabellen nicht gemocht. Vor allen Dingen nicht die, die andere Mütter gesetzt haben.

Nicht alles, was ich in meinem Leben ändere, beginne oder ende muss mit diesem Wort betitelt werden. Entwicklung tut es doch auch.

Warum das Messen in Zahlen gefährlich ist

Wer gibt denn vor, was gerade gut ist und warum?

Ich möchte meine Leistung nicht immer in Zahlen bemessen, mein Dasein und meine Zufriedenheit und mein Schaffen nicht nach Followern oder Algorithmen ausrichten.

Mich stört das Gejammer über zu wenig Likes, Aufmerksamkeit und Kommentare, denn oft kommen diese nicht von kleineren Accounts. Natürlich möchte ich, dass meine Beiträge hier und in den sozialen Medien gemocht werden, sonst könnte ich sie ja in ein Notizbuch schreiben. Aber ich möchte meinen Spaß und meine Kreativität nicht verlieren. Und ich möchte mich auch nicht verbiegen.

Wenn wir uns immer nach Zahlen ausrichten, dann verpassen wir: uns selbst.

Glow statt Alltagsgrau-Wieviel Wachstum ist gesund-lifewithaglow

Ich habe immer noch den Satz unseres Kinderarztes im Ohr, als ein Kind sabbelte wie ein Buch, sich aber schwer damit tat zu klettern. Statt einer Kritik sagte er: Haben Sie schon einmal einen Zug auf zwei Gleisen fahren sehen?

Daran denke ich ganz häufig, wenn ich sehe, dass es an einer Stelle sehr gut läuft und an einer anderen nicht so.

Wie kann ich das Wachsen ‚gesund‘ gestalten?

Natürlich sind eigene Challenges wichtig, denkt nur daran, wie hart ich daran gearbeitet habe, meinen Zeh zur Nase zu bekommen;). Aber sich selbst tausend Baustellen zu eröffnen, empfinde ich nicht als gesund.

Was mache ich also zum Thema Wachstum? Zunächst einmal mache ich es in meinem Leben nicht wirklich zum Thema. Ganz vielleicht ordne ich es am Ende dort ein, aber zunächst einmal ist es persönliche Entwicklung.

  • Wenn ich etwas lernen oder üben ‚muss‘, weil ich es für bestimmte Bereiche in meinem Leben benötige, dann überlege ich mir einen machbaren Weg
  • Kleine Schritte führen langsamer, aber beständiger zum Ziel als wenn du aus der Puste und ausgelaugt stehen bleiben musst.
  • Ich überlege mir bei ‚vorgegebenen‘ Zielen, ob ich sie für mein Leben oder meine Entwicklung benötige. Muss ich jeden Tag 100 Klimmzüge machen? Nö. Muss ich jeden Tag nur Wasser trinken? Nö. Möchte ich x Bücher im Jahr lesen? Ja.
  • Was bringt mir das persönlich, wenn ich das mache?
  • Ändere ich mich dadurch zum Besseren?
  • Bleibe ich dabei dennoch ich selbst?
Glow statt Alltagsgrau-Wieviel Wachstum ist gesund-lifewithaglow

Wachstum hat viele Facetten

Wachstum hat wirklich viele Facetten und jeder muss und darf für sich entscheiden, wo er hin möchte. Aber nicht jeder Entwicklungsweg oder Schritt bedarf einer Bewertung oder besonderen Leistung, manchmal sind es auch die kleinen Dinge, die du nicht groß erwähnen musst, die aber dennoch dafür sorgen, dass du gewachsen bist:

  • Du hast dein Bedürfnis (z.B. nach Rückzug und Ruhe) an erste Stelle gesetzt und die Verabredung, die dich Kraft gekostet hätte, abgesagt
  • Du hast endlich die dich triggernden Accounts aus deinem Feed gelöscht
  • Du gibst dir Mühe, dich mehr zu bewegen, was nicht Sport heißen muss
  • Du teilst dir deine Kräfte gut ein
  • Du nimmst das Buch anstatt zum Smartphone zu greifen
  • Du machst dich hübsch, auch wenn dich heute niemand sieht
  • Du isst die Tomate anstelle des Kekses
  • Du trinkst mehr Wasser, du bist ja kein Kaktus
  • Du nimmst für die zwei Stockwerke die Treppe anstelle des Fahrstuhls
Glow statt Alltagsgrau-Wieviel Wachstum ist gesund-lifewithaglow

Das alles sind kleine Schritte und sie machen ganz ohne Druck, etwas mit dir. Und ganz vielleicht wächst du dabei an dir selbst, ohne dass du an dir zerren musst.

Wie definierst du Wachstum? Warst du schon einmal in einer solchen Spirale des Müssens? Wo bist du gewachsen?

Alles Liebe und eine schöne Woche,

Eure Nicole

Ähnliche Artikel

9 Kommentare

  1. Dieses ständige „höher, schneller, weiter“ begegnet einem inzwischen wirklich überall – und manchmal habe ich das Gefühl, viele vergessen dabei völlig, einfach mal zufrieden zu sein mit dem, was gerade ist.
    Und ja, ich denke man verpasst das echte Leben, wenn man sich nur noch auf Wachstum konzentriert. Nicht alles muss ständig optimiert werden. Man darf auch einfach mal stehen bleiben, durchatmen und genießen, was man sich bereits aufgebaut hat.
    Und auch ja … diese Zahlenwelt mit Likes, Reichweite und Algorithmen kann einen manchmal ganz schön unter Druck setzen. Dabei entstehen die schönsten Dinge doch oft genau dann, wenn man etwas mit Freude und Herz macht – ohne dauernd auf irgendwelche Zahlen zu schielen. Aber vielleicht lässt sich das in meinem Alter leichter sagen und umsetzen. Alles, was ich zusätzlich zu meinem Privatleben unternehme, betrachte ich als Hobby, daher stehe ich nicht unter dem Druck der sozialen Medien.
    Liebe Grüße,
    Claudia

  2. Danke für die neuen Gedankenanstöße. Meinem Empfinden nach wächst man als Mensch mit wachem Geist täglich, wenn man mit offenen Augen und Ohren im Alltag unterwegs ist und sich auf Neues und auf die Mitmenschen einlässt.

    Ansonsten bin ich da ganz bei Tina, das ständige Selbstoptimieren ist so anstrengend.

    Ich habe mein gesamtes Berufsleben überwiegend als anstrengend empfunden, weil es mich fremdbestimmt hat (ich hatte immer Jobs, in denen man sehr an feste Zeiten gebunden war und nicht mal spontan früher gehen oder einen Tag frei nehmen konnte), und ich eigentlich ein Freigeist bin.

    Daher ist es mein oberstes Ziel, mich endlich von Erwartungen und Verpflichtendem frei zu machen. So wie Du es mit den Dich triggernden Accounts handhabst.

    Und ich bin ganz bei Dir, was die kleinen Schritte betrifft (wobei Tomate statt Keks keine Lösung ist :-) )

    1. Ich weiß genau, was du meinst. Und Tomate gewinnt hier auch nicht sooo oft😉. Und ich freue mich, dass dein Geist nun frei sein darf. Und auch ansonsten sind wir uns da sehr nah.

      Liebe Grüße
      Nicole

  3. Guten Morgen Nicole, ein spannender Beitrag 🙂
    Ich frage mich dabei: Ist Zufriedenheit nicht eigentlich die gesündere Form von Wachstum? Für mich ist nicht „immer mehr“ entscheidend, sondern eher das Gefühl, mit dem was ist, im Reinen zu sein – und aus dieser Zufriedenheit heraus zu wachsen, statt aus ständigem Mangeldenken. Irgendwie hängt das für mich eng zusammen.
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag, liebe Grüße Tina

    1. Das geht mir ganz genauso, liebe Tina und ich hoffe, das war auch so verständlich 🥴. Denn ich finde diese Zufriedenheit auch wichtig und das Wort Optimierung dauernd zu hören ist eben genau das Gegenteil. Und wie Cora denke ich auch, dass man auch still wächst.

      Hab auch du einen schönen Tag und liebe Grüße
      Nicole

  4. Ich finde, heute dreht sich vieles nur noch um Selbstoptimierung und darum, vor Anderen gut dazustehen. Social Media macht es nicht gerade leichter und KI auch nicht. Für mich bedeutet Wachstum auch, dass ich selbst merke, wenn es mir zu viel wird. Dann ziehe ich schon mal die Notbremse.

    Liebe Grüße
    Sabine

  5. „Und einfach mal stehen zu bleiben kann auch schön sein.“ Genau! Man braucht ja auch noch Zeit, um auf seine Erfolge zurückzusehen und sich an ihnen zu erfreuen! Sie wertzuschätzen!
    Die Analogie mit dem zweigleisigen Zug finde ich sehr schön.
    Meine Riesenchallenge der letzten eindreiviertel Jahre und der folgenden ist die Erziehung von Mona …und zum Glück ist das Haben-Konto inzwischen gut gefüllt.
    Konkret kämpfe ich gerade mal wieder mit dem Grafikprogramm und stelle dabei positiv fest, wie viel mir in den letzten 20 Jahren dabei in Fleisch und Blut übergegangen ist. Es ist also kein wirklicher Kampf mehr, sondern eher ein spielerisches miteinander Ringen, das sogar Spaß macht (solange ich dabei gewinne …).

    Tatsächlich kämpfe ich nur um Wachstum, bei dem ich eine realistische Chance habe, dass er gelingt. Dann allerdings mit Ehrgeiz.

    Hab einen guten Start in die neue Woche!

    PS: Hast du die dich triggernden Accounts endlich gelöscht? Und falls nicht: Was brauchst du dazu noch?

    1. Bis auf zwei, ja und die sind als nächstes an der Reihe. Das kann aber auch positiver Trigger sein, es genauso NICHT zu machen.

      Und ich kenne dieses Ringen und das Gefühl sehr gut. Mona ist sehr gewachsen mit dir und du mit ihr. Und das mag ich.

      Ich wünsche dir eine schöne Woche.

      Liebe Grüße
      Nicole

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"