
Stockholm stand aus vielen Gründen auf meiner Reise-Bucket-List. Der erste und der zweite sind quasi völlig klar: ABBA und das Königshaus. Ergänzend dazu war ich neugierig, nach meinen Erfahrungen mit einer nordischen Stadt damals im Mittelalter, wie mir diese gefallen würde.
Angekommen in Stockholm, hatte ich am zweiten Tag etwas Erhellendes gelernt, doch dazu kommen wir später. Erst einmal erzähle ich euch, wie ich zu dieser Reise kam und warum es Liebe auf den zweiten Blick wurde. Dafür aber mit viel Lagom und Freude. Und ich reise ja sowieso gerne. Im Laufe dieses Beitrages verlinke ich euch meine persönlichen Erkundungs- und Restauranttipps.

Hallo Stockholm- wie werde ich dich finden?
Die Freude war groß, als mein Mann mir diese Reise schenkte, denn sie erfüllte zwei meiner Wünsche: Ich würde eine nordische Stadt besuchen und das ABBA Museum sehen. Endlich.
Dazu bekam ich Konzertkarten für Linkin Park, was mich etwas verblüffte. Die Geschichte ist aber leicht erzählt, denn mein Mann kannte drei ihrer Lieder und fand es toll, ein Konzert in einer anderen Stadt zu besuchen. Die Auswahl an möglichen Konzerten war wohl auch nicht groß, um genau zu sein, winzig. Sein Gesicht, als wir eine Woche vorher eine Playlist der Band hörten, war unbeschreiblich (lustig). Warum es dennoch toll wurde, erzähle ich gleich.
Somit ging es also sehr früh am Morgen los, um die Stadt der ABBAs zu besuchen.

Ankunft in der schwedischen Hauptstadt
Unser Hotel lag sehr nah an der Centralstation und wir beschlossen nach kurzer Suche am Flughafen mit dem Arlanda Express zu fahren. Das ist nicht die günstigste, aber die schnellste Alternative und die Fahrt war ein Erlebnis. Noch nie habe ich einen Bahnsteig mit Teppich gesehen. Der Zug war modern, sauber und eben schnell. Mit genug Platz für Gepäck. Da können andere Bahnen wirklich etwas lernen.
Im Hotel angekommen, haben wir unser Gepäck abgestellt, da das Zimmer noch nicht fertig war. Hungrig und bei kaltem Wetter machten wir uns auf den Weg zu einer ersten Erkundung, die alles war, aber durch das Wetter nicht von großer Freude besetzt.

Es war kalt, grau und alles sah (noch nicht) so schön aus. Es sollte noch sehr nass werden, was auch nicht gerade zu meiner Erheiterung beitrug.
Das erledigte dann aber die Robbe, die vor dem Schloss auftauchte, ich finde Robben ja so süß.

Abends waren wir die berühmten Köttbullar essen und das Restaurant war so zauberhaft wie freundlich.

Der zweite Tag
Die Karten für das ABBA Museum waren gebucht und der Läufer dieser Reisegruppe schlug vor, die nur 4,8 km zu Fuß zu gehen. Unterwegs wollten wir frühstücken und dann gemütlich (findet den Fehler) zum Museum laufen.

Der Regen war Gott sei Dank zwischenzeitlich verschwunden und die Stadt war: schön.
Unser erstes Frühstück nahmen wir sehr hungrig ein und machten uns dann auf unseren weiteren Weg. Das Museum war natürlich für einen von uns Freude pur, der andere freute sich über seine Idee und meine Freude. Das Museum lohnt sich und ich kenne nun das Datum des Konzerts, das ich im November 79 hinter einer Box verbrachte (Diese Würfel und Leinwände, wo man die Künstler überlebensgroß sieht, waren da noch Lichtjahre entfernt).

Es bereitet mir immer wieder Gänsehaut, die Musik zu hören und diese Zeit als Flashback zu erleben. Einzig, dass die Souvenirs (so) unanständig teuer waren, hat mich dezent gestört. Denn Kaffee aus einem ABBA Becher oder ein Schlafshirt, das hätte mir wohl gefallen.
Danach sind wir gemütlich zurückgeschlendert, haben unterwegs in einem kleinen Café einen ebensolchen getrunken und ein obligatorisches Kanelbullar gegessen.

Den Rest des Tages genossen wir Stockholm, das Lagom, die freundlichen Menschen und das Kaufhaus Nordiska Kompaniet, das eine Augenweide ist, auch wenn man nichts kaufen kann/möchte.

Das Abendessen verlegten wir in ein tolles, kleines Fischrestaurant.

Dritter Tag in Stockholm
Nach einem Tipp unserer Tochter wollen wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück in einem Kettenrestaurant, das auf unserem Weg lag, den Königspalast ansehen. Aber nicht nur das, sie meinte, wir sollten auch unbedingt den Wachwechsel schauen. Und diesen Tipp gebe ich weiter, denn beides ist ein Erlebnis. Schaut bei dem Wachwechsel auf die Uhrzeiten und seid rechtzeitig dort.

Der Palast ist, obwohl alt, auf besondere Weise modern und ich fand es dort in vielen Räumen sehr hübsch. Anlässlich der goldenen Hochzeit des Königspaares gab es noch eine Sonderausstellung und mein royales Herz hüpfte beglückt.


Einzig die in unserem Ticket enthaltene Riddarholmen Kirche hat uns bei diesem Besuch nicht so gut gefallen. Sie ist eine Grabeskirche und entsprechend ist die Stimmung. Wir planen also, uns am nächsten Tag noch die Storkyrkan anzusehen und diese verkörpert für mich das schwedisch Helle. Auch, weil Königs dort heiraten.

Nachmittags wollten wir uns das Wohnhaus von Astrid Lindgren anschauen, was aber zu einem Reinfall wurde, denn wenn wir den Reiseführer ordentlich gelesen hätten, wäre uns klar gewesen, dass es besondere Öffnungszeiten gibt und eine Reservierung erforderlich ist.
Danach ging es enttäuscht und hungrig in ein Café, wo wir die berühmte Prinsesstårta gegessen haben. Und sie war köstlich.

Abends gehen wir dann auf das Lincoln Park Konzert. Wundern wir uns auf dem Weg noch über die vielen Ohrstöpselverkäufer, werden auch wir in der Halle später welche erwerben.
Das Konzert traf (wie nach der Hörprobe der nicht so gängigen Lieder fast klar war) zwar nicht zu 100% unseren Musikgeschmack, aber es war dennoch ein besonderes Erlebnis. Und wenn ihr euch jetzt fragt, warum, dann erzähle ich das gern.
Ich habe selten in einer derart komfortablen Arena gesessen: beste Beinfreiheit, Getränkehalter, bequeme Sitze.

Das Publikum ging von 8 Jahren bis gefühlt 80 und sie sind, mit ihren T-Shirts wie eine große Familie, die alle zeitgleich mit dem Kopf nicken, klatschen, Zeichen machen, lautstark singen. Und alle sind freudig, freundlich, höflich. Auch beim Verlassen der Arena und der Fahrt mit der Metro zurück in die Stadt. Das alles zu erleben, war das Erlebnis wert. Und vier Lieder kannten wir ja auch;).
Das Abendessen an diesem Abend bestand aus einem kleinen Imbiss, denn die Prinzessin war zwar lecker, wog aber schwer.
Stockholm an Tag vier
Tag vier in Stockholm, das bedeutet Marathon. 25ooo Läufer erlaufen sich die Stadt, aber alle unsere Befürchtungen, dass es voll und furchtbar wird, wurden durch beste Organisation und Geduld zerschlagen.
Dennoch hatten wir an diesem Tag geplant, die Storkyrkan zu besuchen und am Nachmittag, das Wetter war uns hold, eine Schärenfahrt zu machen.
Doch zuerst stand das Frühstück in einer besonderen Bäckerei auf der Agenda, denn hungrig aufs Wasser oder in die Kirche geht ja gar nicht. Das belegte Knäckebrot und Mumsmums sind ein Gedicht.


Und die Kirche war ein sehr, sehr schönes Erlebnis. Hell, freundlich, modern.


Das Wasser, die Häuser mit ihren teilweise kleinen Badestegen und Häuschen, das war wirklich eine schöne Idee, diese Schärenfahrt zu unternehmen. Das weiße Haus gehört (e?) dem ehemaligen Tennisstar Björn Borg. Die Erklärungen, abgewechselt mit dem Genießen des plätschernden Wassers und der Ruhe machten diese Sightseeingtour wirklich besonders.

Nach der Tour saßen wir dann noch bei einem alkoholfreien Bier an einer kleinen Straße, wo all die Marathon-Finisher vorbeikamen. Es war einfach schön, diese Stimmung und all die (meist sehr gut gekleideten) Menschen (also, die Nicht-Sportler, die sich des Lebens freuten) zu beobachten.



Abends waren wir dann noch in einem kleinen, aber sehr feinen Restaurant, das wir am ersten Abend schon gesehen hatten und wo es einige Empfehlungen gab. Das war ein schöner abendlicher Abschluss unseres letzten, ganzen Tages in Stockholm.
Der letzte Tag bis zur Abreise
Morgens hatten wir nach dem Frühstück, die Bäckerei war wieder unsere erste Wahl, noch ein bisschen Zeit und wir beschlossen, höchst naiv, den Reichstag zu besichtigen. Wir wussten um die Besuchszeit, waren aber für die Führung in englisch zu spät dort. Man kann nicht vorab reservieren, sondern der, der zuerst kommt, besucht auch zuerst. Was macht der hektische Tourist mit einer Abflugzeit im Nacken? Genau, er reiht sich einfach in die Führung auf Schwedisch ein. Und nein, wir sprechen KEIN Schwedisch außer hej, hejdo und tak.

Die Führerin war aber total nett und hat unsere Fragen auch auf Englisch beantwortet. Den Sprachschwierigkeiten zum Trotz war es auch hier ein Erlebnis. Denn der Riksdag ist hell, freundlich und sehr groß.
Tja, und dann hieß es auch schon hejdo Stockholm.
Was ich in Stockholm gelernt habe
- Wenn ich unausgeschlafen bin und es dann noch regnet, ist meine Enttäuschung über ein Reiseziel groß (das ist mir schon einmal passiert und danach sind wir noch gefühlte 400mal dort gewesen)
- Schweden sind sehr entspannte, freundliche und zuvorkommende Menschen, es wird nicht gedrängelt und immer geduldig gewartet
- In den Cafés gibt es beim Kauf von Filterkaffee als Getränk immer free refill
- Kanelbullar kann süchtig machen
- Kleine Restaurants haben unglaublich gute Küche. Und einen tollen Service
- Der Großteil der Schweden ist sehr gut gekleidet und das hat mir viel Freude bereitet
- IKEA City ist ein Anlaufpunkt für die Mittagspause
- Schweppes Lemon gibt es auch in Stockholm
- Das glitzernde Wasser lässt die Stadt leuchten
- Alles ist sehr nahbar und gut organisiert
- Man kann vier Tage komplett ohne Bargeld leben
- 18 Grad in Stockholm bedeutet Shortswetter
- Eine Schärenfahrt ist ein Muss
- Ich kann definitiv NICHT singen, Danke an meinen Mann, der mich bei der ABBA Karaoke gefilmt hat und der Welt so Schlimmes vorenthält










Stockholm, du bist mehr als ABBA
Natürlich hat mein ABBA Herz sehr hoch geschlagen, aber diese Stadt ist so viel mehr. Mir hat dieser leichte Lebensstil, die Freundlichkeit und die spürbare Zufriedenheit sehr gefallen, auch wenn bestimmt nicht alles prima ist.
Die kleinen Cafés, Restaurants, die zauberhaften Gassen, dass wir fast alles zu Fuß (einer hätte alles zu Fuß erledigt) erreichen kann, ach es war schön.
Ich freue mich, wenn ihr gern mit mir gereist seid. Restauranttipps sind natürlich immer subjektiv.
Wart ihr schon einmal in Stockholm? Kennt ihr Lagom?
Startet gut und freundlich in die neue Woche,
Eure Nicole






Die Prinsesstårta sieht köstlich aus und Mumsmums ist ein lustiger Name für die Schaumküsse. Auf Skandinavisch klingen viele Sachen niedlicher als auf Deutsch.
Danke für den schönen Reisebericht. Ich war noch nie in Schweden und es steht nicht auf meiner Reiseliste, denn es ist mir zu teuer und zu weit weg. Umso lieber war ich virtuell mit euch dort.
Schöne Konzertgeschichte. Sowas ist mir mal in Hamburg passiert, als ich mir vorher nur ein Lied von einer unbekannten Band angehört habe, von der Freunde das Konzert vorgeschlagen habe. Das war in etwas so, als wenn man von Metallica nur „But nothing else matters“ kennen und denken würde, dass einem ein Konzert gefallen würde. Es war der schlimmste Konzertabend meines Lebens und ich habe auch noch einen Lieblingsohrring verloren … Wie die Band hieß, wissen wir nicht mehr, aber die Geschichte ist hier immer noch ein Running Gag.
Komm gut in die Woche – ab Donnerstag hat dich das Wetter wieder lieb!