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Ich möchte nicht aus jedem Tag das Beste machen müssen

Draußen regnet es Bindfäden und damit die nicht so gerade vom Himmel fallen, weht es herbstlich kräftig dazu. Meine Nacht war auch nicht gerade das, was man Vorzeigeschlaf nennt.

Wäre ich jetzt mega diszipliniert, würde ich um 5 Uhr fröhlich aus dem Bett hüpfen und wie andere Menschen mit meiner Sportroutine anfangen. Moment – da ist schon der erste Fehler. Ich habe gar keine wirkliche Routine.

Stattdessen kuschele ich mich noch einmal ein, bis ich endgültig aufstehen muss.

Nagt jetzt das schlechte Gewissen an mir? Nein. Ein guter Tag muss nicht produktiv oder außergewöhnlich sein, um sich gelungen anzufühlen.

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Wann ist ein guter Tag eigentlich ein guter Tag?

Versteht mich bitte nicht falsch. Im Geheimen hege ich natürlich eine dezente Bewunderung für disziplinierte Menschen, die früh aufstehen und sofort absoluten Tatendrang versprühen.

Früh aufstehen gehört nicht unbedingt zu meinen Kernkompetenzen. Ich bin aber dennoch – und das ist kein Widerspruch – kein Morgenmuffel. Mein Tatendrang heißt Rededrang und mein Mann könnte euch da wahnsinnig gute Geschichten erzählen.

Nun kann man natürlich denken, wenn der Tag schon so beginnt, dann kann das ja nichts mehr werden. Viele von uns glauben ja, sie müssten drölfzig Sachen erledigen oder an vermeintlich freien Tagen besonders tolle Dinge erleben.

Ein Tag kann auch dann ein guter Tag sein, wenn nichts Spektakuläres passiert ist, doch noch etwas auf der Liste steht oder man ihn einfach nur durchgestanden hat.

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Denn ich frage mich, auch in Gesprächen, sehr häufig, wann wir eigentlich angefangen haben, Tage nach Kriterien zu bewerten und nicht danach, wie sie sich für uns anfühlen.

  • Habe ich etwas geschafft? Wir schaffen an jedem Tag etwas, oft sogar so beiläufig, dass wir gar nicht richtig wahrnehmen, was wir erledigt haben.

Natürlich wäscht die Maschine die Wäsche. Allerdings füllt und entleert sie sich nicht, füttert sich nicht mit Waschmittel. Und die Wäsche hüpft auch höchst selten von alleine aus dem Wäschekorb an die Leine oder in den Trockner. Und wieder herunter oder hinaus.

  • War ich produktiv? Glaubt bitte nicht, dass ich mir nicht selbst diese Frage stelle. Ich tue das ständig und bin häufig nicht zufrieden. Aber das hat weder mit dem Gelingen eines Tages zu tun, noch setzen wir die Messlatte für uns immer fair an.

Denn wenn wir andere anschauen, sind wir häufig sehr viel toleranter. Was ich allerdings sehr gut kann: Andere ehrlich für eine Leistung loben, die ich bei mir selbst als zu gering empfinde.

  • Habe ich mich bewegt, etwas erlebt oder gelernt? Auch das trägt bei vielen Menschen dazu bei, einen Tag als gelungen zu bewerten. Aber es müssen ‚große‘ und sichtbare Dinge sein. Ich glaube, wir lernen, erleben und bewegen uns jeden Tag. Ganz bestimmt genug, wenn wir nicht ständig eine Messlatte anlegen.

Ich zähle das nicht alles zu meiner täglichen Bewegung. Klar ärgere ich mich, wenn ich einen Tag vertrödele, statt das schöne Wetter zu nutzen. Aber wisst ihr was? Auch auf dem Sofa den Himmel anschauen kann zu einem gelungenen Tag beitragen.

  • War der Tag so besonders, dass er als gelungen gilt?

Ich habe eine liebe Freundin, die an bestimmten Tagen immer denkt, sie müsse ihn füllen oder gestalten. Und ich sage dann immer, sie solle einfach einmal genießen. Ganz oft kommt das Schöne nämlich wie von selbst, wenn man nicht krampfhaft nach Gestaltung sucht. Und wenn nicht? Dann hatte man eine besondere Zeit mit sich selbst.

Wir müssen uns selbst öfter einmal hinterfragen, warum Tage nicht einfach so gute Tage sein können.

Als ich vorhin mit dem Fahrrad unterwegs war, mir die kalte Luft um die Nase wehte und der Himmel blau strahlte, fand ich diesen Tag richtig gelungen. Ich konnte mich nämlich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Mitte Oktober so fröhlich Fahrrad gefahren war. Und meine kalten Waden zählen hier nicht.

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Nehmen wir uns die Freiheit, einen gewöhnlichen Tag zu haben?

Ich habe gestern viele Dinge im Kleinen geregelt: Wäsche gewaschen, Fotos gelöscht bzw. sortiert, eingekauft und mich um den Blog gekümmert.

Von außen betrachtet – und manchmal auch von mir selbst – sieht das vielleicht nach wenig aus. Tatsächlich war es aber eine ganze Menge. Und es hat Zeit gekostet.

Da war kein spektakulärer Erfolg dabei, nichts, wo ich das Rad neu erfunden habe. Aber ich war am Ende des Tages sehr zufrieden. Mit mir und dem Erreichten.

Ich mag gewöhnliche Tage, an denen scheinbar wenig passiert und die dennoch so viel mit mir machen:

  • Aufstehen ohne Wecker
  • Der Kaffee, ganz in Ruhe zubereitet und genossen
  • Nicht darauf achten, ob ich mich genug bewege, sondern einfach losgehen, wenn mir danach ist.
  • Lesen
  • Aus dem Fenster starren und ruhig atmen
  • Etwas völlig Sinnbefreites anschauen und darüber lachen
  • Einfach zufrieden sein, weil der Tag gut war. Ohne spektakuläre Dinge

Ich brauche – und brauchte – nie den nächsten Kick, den nächsten Erfolg, die nächste Stufe. Auch wenn das alles toll ist, Spaß macht und eine Menge Befriedigung bringt. Mich einfach zu freuen, innezuhalten und abends fröhlich aufs Sofa zu plumpsen, das kann so erfüllend sein.

Etwas, das ich immer wieder sage – übrigens auch mir selbst –, ist: An unzufriedenen Tagen sollten wir statt auf unsere To-do-Liste lieber auf unsere Have-done-Liste schauen.

Wenn wir einmal zusammenzählen, was wir an einem Tag oft ganz nebenbei erledigen, merken wir: Das lässt sich nicht immer in Zahlen oder Erfolgen messen. Aber es ist eine ganze Menge.

Und das alles zu können und zu schaffen, ist doch tatsächlich großartig.

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Weniger Selbstoptimierung, mehr Selbstakzeptanz

Ich sage es einmal ganz offen: Ich hasse das Wort Selbstoptimierung.

Für mich klingt es nach einem ständigen Herumzerren an sich selbst – und danach, nie zufrieden zu sein.

Das bedeutet nicht, dass wir uns nicht weiterentwickeln sollen und können, das bedeutet nicht, dass wir stehen bleiben. Aber müssen wir wirklich jeden Tag an uns arbeiten? Können wir nicht auch einfach mal sein?

Ich lerne jeden Tag etwas, ohne daraus eine große Sache zu machen. Ich möchte auch noch vieles lernen und natürlich gibt es das eine oder andere, wo ich besser sein könnte. Aber ich möchte mich nicht jeden Tag dafür kritisieren, was ich alles (noch) nicht kann. Ich möchte mich lieber jeden Tag ein Stückchen für das feiern, was schon da ist und was ich schaffe.

Ich bin gerne mit mir und ich genieße gerne schöne Momente. Das gelingt aber nur mit einer gewissen Zufriedenheit und die finde ich so wichtig.

Mir gefallen ruhige und faule Tage. Ich muss nicht dauernd vor die Tür, raus oder etwas erleben. Ich unternehme gerne etwas, sehe gerne Neues. Aber eben so gerne liege ich auf meinem Sofa, koche oder bin zuhause. Das ist nämlich mein Hafen.

Und dann wären da noch die Pausen. Wir alle brauchen sie, gestehen sie uns selbst aber oft nicht zu. Bei anderen sind wir da viel großzügiger.

Ich kann heute Nein zu einer Verabredung sagen, weil ich in dieser Woche schon mehrfach unterwegs war. Ich kann meistens gut einschätzen, wann ich genug gearbeitet habe oder mir etwas zu viel wird. Und auch das kann einen Tag besser machen: zu merken, was mir guttut, und danach zu handeln.

Ich bin gerne unterwegs, ich bin auch gerne aktiv. Aber genauso brauche ich Ruhe. Und mir das einzugestehen und zu leben, das macht manchmal einen richtig guten Tag aus.

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Ein guter Tag muss kein besonderer Tag sein

Kehren wir zurück an den regnerischen Morgen. Ich habe mich eingekuschelt, stehe auf und genieße nach dem Zähneputzen meinen ersten Kaffee und starte nach dem Frühstück so langsam in den Tag, wie es meine Aufgaben zulassen. Ich erledige, was zu erledigen ist und weiß: Heute werde ich keine Höchstleistung vollbringen. In einer Regenpause gehe ich kurz vor die Tür und abends denke ich mir: Das war heute kein Tag, der das lauteste Hurra verdient hat. Aber es war ein guter Tag. An dem ich mich gehört habe.

Wir müssen gar nicht aus jedem Tag etwas Besonderes machen. Manchmal besteht das Glück auch einfach darin, zu erkennen, dass es ein guter Tag war. Trotz allem. Und vielleicht auch gerade deswegen.

Wie ist das bei dir? Sind gute Tage nur die, an denen richtig etwas los ist?

Alles Liebe,

eure Nicole

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6 Kommentare

  1. Du hast recht. Ich muss ja an Arbeitstagen viel leisten und nicht immer ist in der Freizeit wirklich Freizeit möglich. Ich brauche einiges an Ruhe. Manchmal muss ich die ganz schön verteidigen, aber da werde ich immer besser. Dazu kommt meine Leidenschaft für TV Serien. Ja man darf seine Freizeit auch bummelnd verbringen. ☺️
    Ich bummle jetzt am Pool in der Liege und lese gleich meinen Krimi fertig. 😁
    Liebe Grüße Tina

    1. Richtig so! Ich mag diese Einstellung, aber das hast du ja gerade gelesen 😉. Und es ist schön, dass du das auch so durchzuhalten versuchst.

      Liebe Grüße und immer schön das Meer atmen.
      Nicole

  2. Selbstoptimierung würde bei mir gar nicht funktionieren. Mich stört auch kein sogenanter Gammel-Sonntag, an dem man einmal gar nichts macht. Der Körper braucht zwischendurch einfach Pausen. Viele können auch nicht mit sich allein sein. Stärndig wäre das sicherlich auch nichts für mich. Ich kann es aber durchaus aushalten und mich mit mir selbst beschäftigen oder mit meinen Hobbys. Alles ohne Druck.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Ja und ich finde es ist wie bei allem: Die Mischung macht es. Ich möchte keine Selbstoptimierung, denn dann wäre ich ja vorher permanent unzufrieden 😅.
      Ich bin da ganz bei dir: Ich kann (mittlerweile) sehr gut mit mir allein sein, ich brauche nicht dauernd Programm und dennoch ist das auch schön. Mitte eben.
      Freue mich mit dir.
      Liebe Grüße
      Nicole

  3. An einigen Tagen zählt wirklich nur das Überleben und Überstehen, während andere eine Woge der Wonne sind. Grundsätzlich sind meine Tage strukturiert und ich diszipliniert. Das schließt aber nicht aus, dass ich freie Zeit dazwischen entspannt genießen kann. Könnte ich das nicht, würde ich zum Beispiel nicht so viel lesen. Und gerade an scheinbar vertrödelten Tagen ist mir sehr bewusst, dass ich auch an denen „nebenbei“ ganz schön viel erledige. Heute wird so ein Tag.

    Einen wunderschönen Herbsttag wünscht dir
    Ines

    1. Genau!! Wir müssen uns das nur immer wieder vor Augen halten. Ich finde diese Einstellung sehr gesund. Denn nur, weil man auch einfach einmal sein kann, ist man ja nicht gleich undiszipliniert.
      Genieße deinen Tag!

      Liebe Grüße
      Nicole

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