LifestyleAbschied von der Unendlichkeit- mein Eindruck

Abschied von der Unendlichkeit- mein Eindruck

Werbung- Rezensionsexemplar

Léon Saint Clairs Abschied von der Unendlichkeit- ein ewig lebender, wandernder und durch die Zeiten wandelnder Charakter. Da er sich, wie ich, mit Abschieden, von denen es sehr viele in seinem Leben gab, schwertut, wurde ich auf dieses Buch aufmerksam. Wie es mir gefallen hat, möchte ich euch heute gern erzählen.

Léon Saint Clairs Abschied von der Unendlichkeit

Als ich die Möglichkeit zur Rezension und die Beschreibung des Buches las, hat sich in mir einiges geregt. Er mag keine Abschiede, die Beschreibung las sich gut. Wahrscheinlich, und das gebe ich offen zu, hätte ich dem Buch in einer Buchhandlung wenig Beachtung geschenkt.

So aber war meine Neugier geweckt und ich danke dem Verlag, dass er mir die Möglichkeit zur Rezension gegeben hat.

Leseglück=Abschied von der Unendlichkeit

Das Buch ist eine Fortsetzung des Buches Léon Saint Clairs zeitloser Unruhe. Nun möchte Léon Abschied von der Unendlichkeit nehmen.

Wer ist Léon Saint Clair?

Léon Saint Clair ist der kleinwüchsige, unsterbliche Held des Romans. Wir erleben ihn, nachdem er 2018 Berlin und seine Freundin Konstanze verlassen hat, die er zuvor noch um ein beachtliches Vermögen erleichtert hat, das ihm nun das Leben in der Schweiz zunächst versüßt.

Er altert nicht und durch ihn erleben wir die Geschichte und vergangene Zeit lebendig. Er wurde am Ende des 18. Jahrhunderts geboren, er hat also schon einige Jahre auf dem Buckel. Und trägt einen Rucksack an Erlebnissen mit sich herum.

Zunehmend lebensmüde und ohne Papiere kommt er in der Schweiz an. Und lebt zunächst von dem Geld, das er entwendet hat.

Später beginnt er aufgrund fehlender Papiere ein Praktikum bei einem Maßschneider, er lernt neue Leute kennen, richtet sich ein neues Leben ein und versucht, sich beizubringen, wie man zeichnet. Wir begleiten ihn auf diesem Weg.

Leseglück=Abschied von der Unendlichkeit

In seinem Abschied von der Unendlichkeit lässt er sein Leben immer wieder Revue passieren, stellt Vergleiche an. Denn seine Träume erinnern ihn immer wieder daran, was einmal war, wo er war und wem er schon begegnet ist. Unter anderem ist er zum Beispiel Mozart begegnet, ohne ihn persönlich kennenzulernen.

Wie ist er als Unsterblicher?

In meinen Augen ist er jemand, der oft nur von einem Moment zum nächsten denkt. Sowohl in seiner Lebenssituation als auch was seine Versorgung betrifft. Da wir alle nicht wissen, wie es ist, so lange zu leben, ist das aber nachvollziehbar.

Durch sein langes Leben stellt er mit den ihn jetzt umgebenden Menschen immer wieder Vergleiche zu denen an, von denen er sich verabschieden musste. Leseglück=Abschied von der Unendlichkeit

Er interessiert sich für die Erlebnisse derer, die ihm gerade am Herzen liegen und ist oft verwundert, wie sie bestimmte historische Begebenheiten empfunden und erlebt haben.

Mir erscheint er kreativ, aber nutzt seine ihm immer noch zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu wenig. Was aber auch daran liegen mag, dass ihm hier das geistige Vermögen zu fehlen scheint. Denn er könnte, spinnt man seinen Charakter weiter, ja ganz hervorragende Bücher als Zeitzeuge schreiben.

Er ist allerdings auch ein Lebemann, vielleicht ist das der Grund, warum er selbst nicht auf diese Idee kommt.

Meine Gedanken beim Lesen

Ich habe mich sehr oft gefragt, wie sich das wohl in der Realität anfühlen würde, wäre man unsterblich und wüsste das. Könnten bestimmte Ereignisse verhindert oder angepasst werden? Was macht die Wiederholung von Historie oder die immer wieder erkannte Ähnlichkeit von Personen mit einem Menschen? Wie erlebt man so viel Geschichte persönlich? Kann man das Gesehene verarbeiten? Wie geht man damit um? Auch, dass natürlich niemand weiß, was für ein Phänomen man selber ist.

Leseglück=Abschied von der Unendlichkeit

Natürlich sind das hypothetische Fragen, aber interessant sind sie dennoch, finde ich.

Diese Antworten treten bei Léon nur begrenzt hervor. Erstaunlich finde ich jedoch, wie er sich immer wieder der Zeit anpasst und das auch schafft.

Wie gefiel mir das Buch?

Der Abschied von der Unendlichkeit ist in meinen Augen ein außergewöhnliches Buch. Uneingeschränkt kann ich euch erzählen, dass es im positiven Sinne eines meiner literarisch anspruchsvollsten Bücher in diesem Jahr war.

Warum?

Leseglück=Abschied von der Unendlichkeit

Das Buch ist einer delikaten, aber lebendigen Sprache geschrieben, behandelt viele historische Facetten, bedient sich dabei einer sehr schönen und wie ich finde, außergewöhnlichen Wortwahl.

Dennoch konnte ich mir vom eigentlichen Protagonisten kein Bild erschaffen- von allen anderen schon.

Es gelingt in diesem Buch ausgezeichnet, historische Zusammenhänge herzustellen und lebendig werden zu lassen. Dazu gibt es eine gehörige Portion Humor und es fühlt sich real an die Szenen mitzuerleben. Leseglück=Abschied von der Unendlichkeit

Es ist aber kein Buch, das man mal eben oder nebenbei liest- zumindest ging mir das so. Ich habe mir fürs Lesen wirklich Zeit eingeräumt und musste auch öfter Pause machen.

Was mir nicht so gut gefallen hat, waren die sehr langen Kapitel. Das habe ich für mich nicht so gern, ich mag Abschlüsse, wenn ich ein Buch zur Seite lege. Wie geht es euch damit?

Sollte man den ersten Teil gelesen haben?

Hier würde ich mit einem Jein antworten. Ich konnte mich gut in dieses Buch einfühlen, ohne ihn zu kennen. Zwischendurch bin ich aber immer mal wieder an einen Punkt gelangt, wo ich mir persönlich tiefere Informationen zu der einen oder anderen Person gewünscht hätte. Notwendig ist es aber wahrlich nicht.

Wem empfehle ich das Buch?

Die Autorin schreibt in einer ganz besonderen Sprache. Für jemanden, der auch die Vielfalt und Komplexibilät von Sprache liebt, spreche ich eine dicke Empfehlung zum Lesen aus. Denn sie wählt Worte, die schlicht besonders, außergewöhnlich und schön sind. Das Buch ist auf eine besondere Weise bildschön und ansprechend geschrieben.

Wer so richtig eintauchen mag in Literatur, der wird sich mit dem Buch ausgesprochen wohlfühlen. Für dieses Buch braucht man Zeit, es liest sich nicht nebenbei oder mal eben.

Den Einfluss der Geschichte und wie sie mit diesem Buch verwoben wurde, gefiel mir sehr gut. Leseglück=Abschied von der Unendlichkeit

Das alles mochte ich sehr, aber es war auch eine (geistige) Umstellung für mich.

Léon Saint Clairs Abschied von der Unendlichkeit

Ich habe mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge von Léon verabschiedet.

Denn es war für mich, die ich ja wirklich viel und gerne lese, eine neue und schöne Beschäftigung in die Sprache einzutauchen, mich auf ein solches Buch so einzulassen. Das hat mir gefallen. Denn die sprachliche Bandbreite und die Fähigkeit der Autorin, diese an den Leser zu vermitteln, empfand ich besonders.

Wäre das Buch etwas für euch? Wie denkt ihr über Unsterblichkeit? Was macht Abschied mit euch?

Give your life a glow,

Eure Nicole

 

10 Kommentare

  1. Das, was du über die Sprache des Buches schreibst, klingt toll. Daher würde ich sagen, dass ich definitiv ein Kandidat für das Buch ist. Das Thema Unsterblichkeit sehe ich sehr zwiespältig. Klar würde es mich reizen, unsterblich zu sein. Auf den ersten Blick. Aber was ist mit den Menschen, die ich liebe? Die würde ich verlieren. Erträgt man das? Falls ja, wie oft erträgt man das? Wie spannend ist es, Zeitzeuge zu sein, wenn man irgendwann bemerkt, dass die Menschen immer wieder die gleichen Fehler machen? Verzweifelt man irgendwann daran? Also ja, ich würde das Buch definitiv lesen wollen. Kommt auf meine Wunschliste!
    Liebe Grüße
    Fran

    • Deine Fragen waren auch meine. Denn einer unsterblich kann auch doof sein. Allerdings verschwinden dann auh öfter mal doofe Dinge ;).
      Und die Sprache? Die würde dir definitv gefallen.
      Liebe Grüße
      Nicole

  2. Hallo!

    Der Titel sprach mich nur bedingt an, aber Deine Rezension erweckte meine Neugierde, so dass es auf meiner Bücherliste einen Platz erhält.

    Wobei es als Hörbuch, mit einer prägsamen Stimme, mein Interesse noch eher reizt.

    Danke f. Teilen

    Sibille

    • Ich hoffe, du bist einverstanden, dass ich mit meinen äußerst minderwertigen Schwedischkenntnissen den Kommentar abgepasst habe.
      Mit Sicherheit ist das Buch mit der richtigen Stimme erzählt auch ein Genuss.
      Liebe Grüße
      Nicole

  3. Ich finde es schon anstrengend genug, die vielen Abschiede in einem Leben zu verarbeiten, wie geht dass dann erst in unzähligen Leben? Menschen, die alt werden – und das wollen ja viele – erleben viele Verluste von liebgewonnenen Menschen. Das sind für mich auch Reifeprozesse zur eigenen Sterblichkeit. Memento mori.
    Doch, wenn man unsterblich ist, wohin führen diese Abschiede einen? Gibt es da andere Reifeprozesse?
    Hast Du in dem Buch darüber Antworten gefunden? Hat der Protagonist welche?
    Unsterblichkeit ist ja letztendlich auch ein jesuanisches und christliches Thema: Durch den Tod ins Leben…
    Ob ich aber das Buch lesen werde? Ich glaube eher nicht, denn mit der Unsterblichkeit hab ich es nicht so.
    Herzlich, Sieglinde

    • Ich habe in dem Buch keine gefunden… für meine Begriffe hat er einfach gelebt.
      Ich glaube zu wissen, dass man unsterblich ist, ist schon merkwürdig. Oft habe ich mich gefragt, wie man sich wohl fühlt, wenn sich Geschichte in irgendeiner Form wiederholt.
      Liebe Grüße
      Nicole

  4. Mal was Anspruchsvolles zu lesen, darf schon sein, aber das Buch spricht mich jetzt spontan nicht so an. Warum? Unendlich zu leben, wäre ein Alptraum für mich. Auf keinen Fall möchte ich in den Gedanken tiefer eintauchen. Die Sprache klingt da schon spannender.

    Mein Verhältnis zu Abschieden? Bittersüß trifft es ganz gut. Manchmal fallen sie mir schwer, aber meistens gehören sie einfach dazu. Sie machen einen Haken an etwas und ich mag Abgeschlossenheit. Es ist oft ja auch der runde Abschluss von etwas Schönem und kann recht herzlich ausfallen.

    Herzliche Grüße
    Ines

    PS: Wir lesen gerade das gleiche Buch 😀.

    • Es ist sehr lustig zu lesen, wenn er Persönlichkeiten trifft, weil es unwahrscheinlich erscheint. Ewig leben möchte ich auch nicht. Aber gern noch länger, wenn ich gesund bleibe.. Und mein Umfeld so bleibt.

      Die Sprache ist sehr ausgefeilt. Das mag ich.

      Liebe Grüße
      Nicole

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Autor

Nicole

Life with a glow ist mein Lifestyle Blog, in dem ich über das Leben ü40/ü50 schreibe. Spaß, Freude und Neugier sind niemals eine Frage des Alters sondern der Einstellung. Ich freue mich auf euch!

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