
Als ich in der letzten Woche bei unseren Freunden war, haben wir darüber gesprochen oder besser gelacht, dass mein Mann immer sagt, dass es im nächsten Jahr ruhiger wird. Kleiner Funfact: Das wurde es bisher nie, aber das ist (bisher) auch nicht schlimm. Denn das schöne Leben ist nicht das, auf das wir warten. Es ist meistens bereits da.
Diese kleine Geschichte hat etwas in mir angestoßen, das ich schon eine Zeit lang bei mir und auch bei anderen beobachte: Dieses ‚Wenn das passiert ist, dann wird es besser/schöner/ruhiger….‘.
Ich möchte heute meine Gedanken mit euch teilen, warum ich finde, dass wir nicht auf das Später oder Wenn warten sollen.

Wann fängt das schöne Leben eigentlich an?
Wir freuen uns auf das Wochenende, den nächsten Urlaub, darauf, dass die 2kg purzeln, das nächste Projekt oder eben mehr Ruhe. Versteht mich nicht falsch: Ich finde Vorfreude und Pläne toll und wichtig. Aber manchmal sind wir so sehr in diesen Gedanken verhaftet, dass die echten Momente genau in dieser Zeit ungesehen an uns vorbeirauschen.
Ich jedenfalls habe beschlossen, dass ich, im Rahmen meiner Möglichkeiten nicht mehr nur warten, sondern manchmal einfach nur machen möchte.
Denn, wenn wir uns einmal ehrlich machen: Uns wird so oft auch von außen erzählt, dass noch dies fehlt, hier etwas optimiert werden darf und jenes passieren muss. Dabei kann es zwischendurch doch auch einfach mal gut sein, wie es ist.
Ein Moment des Innehaltens – ich nenne es bewusst nicht Stillstand – kann uns, verbunden mit einem tiefen Atemzug, so viel Frieden und Zufriedenheit schenken.

Wenn wir ständig auf etwas warten…
… rauscht das schöne Leben vielleicht ungesehen an uns vorbei. Wir haben Erwartungen, Wünsche und Träume. Und das ist toll und wichtig. Dennoch sollte unser tägliches Leben nicht ausschließlich davon bestimmt sein.
Ihr wisst, ich suche täglich den Glow. Und den finde ich sogar, wenn ich mal wieder warten muss.
Gewöhnlich warte ich auf meinen Mann. Aber statt mich zu grämen, dass er nicht pünktlich ist, mache ich etwas anderes.Wenn ich draußen auf ihn warte, beobachte ich meine Umgebung, Menschen, genieße den Augenblick. Und das macht das Warten zwar nicht kürzer, aber ein Stückchen schöner. Und ich versuche sehr bewusst, in diesen Momenten nicht aufs Smartphone zu schauen.
Ich möchte möglichst bewusst im Hier und Jetzt unterwegs zu sein. Schließlich habe ich nur dieses eine Leben und der Großteil davon dürfte rechnerisch vorüber sein. Ich muss mich also beeilen;).
Natürlich habe ich trotzdem Träume und Wünsche. Große und kleine.
Ich würde immer noch gern am Meer wohnen. Trotzdem liebe ich es hier und fühle mich sehr zu Hause.
Natürlich hätte ich gerne ein Mega-Ankleidezimmer. Und trotzdem freue ich mich über meine schönen Sachen und habe Spaß daran, sie zu tragen.
Bei einem Gespräch neulich ging es um die Größe meines Blogs. Er ist ja nicht gerade weltberühmt oder das, was andere ‚groß‘ nennen. Ob mich das frustrieren würde, warum ich das überhaupt mache.
Und ja, selbstverständlich würde ich gerne wachsen, ‚groß‘ sein, gerne tolle Kooperationen haben, die zu mir und euch passen. Aber wisst ihr was?
Ich finde es auch so toll, wie es ist. Meine Freude am Schreiben, am Lernen und Ausprobieren ist ungebrochen.Ich liebe den Austausch mit euch und freue mich über jeden einzelnen Leser hier und in den sozialen Medien.
Wenn ich jetzt jeden Tag darauf warten oder hoffen würde, dass explosionsartig etwas geschieht, könnte ich all diese Texte gar nicht mehr mit derselben Freude schreiben. Ich wäre weniger kreativ und würde womöglich auch eure schönen und wertschätzenden Kommentare nicht mehr so bewusst wahrnehmen.
Darum wird die Größe meines Blogs für mich nicht allein in Followern gemessen. Die Freude an dem, was ich tue, ist mindestens genauso wichtig.
Und darum: Es ist schön, sich auf etwas zu freuen, auf etwas hinzuarbeiten oder zu träumen. Aber wir sollten nie übersehen, was gerade schon da ist. Im Großen und im Kleinen.

Das ganz normale Leben ist nicht langweilig, es ist auch das schöne Leben
Mir ist es so wichtig, dass das Leben nicht nur dann schön ist, wenn etwas Außergewöhnliches passiert. Dabei könnten uns so wertvolle Momente entgehen. Für mich gibt es unzählige Dinge, die mich in meinem Leben glücklich machen.
- Der Duft des Kaffees am Morgen
- Aus einer unglücklichen Situation mit einer guten Erfahrung herauszugehen
- Gesund zu sein
- Zu Lachen, bis der Bauch wehtut
- Wenn ich mich morgens im Bad anlächle und mich auf den Tag freue
- Ein tiefes Gespräch
- Eine Nachricht von einem lieben Menschen
- Das Gefühl in vermeintlichen Frieden, in Freiheit und Demokratie leben zu dürfen
- … und so vieles mehr
Das sind keine großen Ereignisse und keine besonderen Meilensteine. Aber es sind Momente, die mein Leben bereichern.

Was verändert sich im Alter?
Ich beobachte mich, auch durch euch und diesen Blog, seit ein paar Jahren etwas genauer. Und ich denke sehr oft darüber nach, wie dankbar ich doch bin. Für das, was ist – und das war nicht die große Karriere oder ein Leben als Prinzessin. Für das, was ich geschafft und geschaffen habe. Für das Finden meines Glow. Für meine Lebenslust und Freude.
Auch wenn ich selber natürlich immer wieder den Gedanken habe, dass es dieses und jenes noch geben könnte, bin ich viel zufriedener und gelassener geworden.
Ich weiß viel genauer, was mir guttut und was gut für mich ist. Welche Menschen mein Leben und mein Herz bereichern. Ich tanze immer noch gern, aber längst nicht mehr auf allen Hochzeiten.
Ich warte nicht auf später, ich lebe jetzt.
Ich schweige nicht und verschiebe Gespräche nicht auf später. Ich ärgere mich immer noch, aber Dinge, die ich nicht ändern kann, versuche ich schneller ziehen zu lassen.
Ich freue mich über Fortschritte. Und sei es, dass endlich eine weitere Karte in meinem Apple Pay ist. Und nein, das war nicht so leicht, wie ihr euch gerade denkt. Es brauchte Beharrlichkeit, denn in der Theorie hatte ich das verstanden.
Und an jedem unspektakulären Tag finde ich mindestens eine Sache, die mein Herz wärmt. Und wenn es das Twix am Abend ist.
Ich muss nicht jeden Tag auskosten, tolle Pläne haben, Erfolg oder einen Meilenstein erreichen. Ich muss mich und mein Leben nicht dauernd optimieren, nicht immer rennen.
Ich kann einfach stillstehen, sehen, was ist und mich freuen auf das, was da hoffentlich noch alles wartet. Inklusive mehr Ruhe;).

Wir müssen gar nicht aufhören zu träumen
Natürlich machen wir weiter Pläne, freuen uns auf Wiedersehen, Urlaube und das Wochenende. Wir lernen weiter und lassen Dinge und Menschen in unser Leben, die es bereichern und (noch) schöner machen.
Ich möchte mich nicht mit allem abfinden oder gar nichts mehr verändern.
Ich möchte Wünsche und auch Ziele haben.
Ich möchte nur nicht mein ganzes Glück und mein Leben an die Zukunft delegieren.
Ich möchte mich auf morgen freuen und trotzdem heute bewusst wahrnehmen und erleben. Ohne den Gedanken, was sein könnte, kommt oder passiert.
Was ich nicht länger auf später verschieben möchte
Abseits von allem, was auf meiner Bucketlist steht, freue ich mich über jeden schönen Moment. Ich packe Gelegenheiten zu Treffen mit meinen Herzensmenschen beim Schopfe, freue mich über Zeit für mich.
Ich möchte schöne Dinge wahrnehmen, wenn es passt, ich zeige meine Freude und lache laut.
Ich denke öfter Ich darf das, als, was denken jetzt andere? Und ich kommuniziere meine Wünsche und Emotionen klar.
Ich möchte mir nicht erst irgendwann erlauben, das Leben zu genießen. Ich möchte es jetzt tun. Nicht perfekt, nicht jeden Tag und auch nicht immer mit einem großen Plan. Sondern so, wie es gerade zu mir und meinem Leben passt.

Vielleicht ist das schöne Leben schon in uns
Ja, vielleicht wird es in paar Jahren wirklich ruhiger, wie mein Mann sagt;). Bis dahin nutze ich jeden ruhigen Moment und Zeit, die sich uns bietet.
Denn es bedeutet mir sehr viel, wenn wir spontan etwas unternehmen oder einfach nur zusammensein können. Wenn ich das nicht sehen würde, während ich auf diesen großen Moment der Ruhe warte, würde mir doch sehr viel entgehen, oder nicht?
Nicht jede Woche braucht ein Highlight, ein bisschen Glow reicht.
Nicht jede Phase unseres Lebens müssen wir überwinden, damit es besser wird.
Das schöne Leben ist kein Warten auf etwas Besseres. Es ist da, wenn wir hinsehen.

Und dabei träumen wir einfach ein bisschen weiter.
Seid ihr mitten im schönen Leben? Oder ertappt ihr euch dabei, auf Besseres zu warten?
Alles Liebe,
Eure Nicole






Das ist auf jeden Fall eine gute Einstellung. Natürlich darf man Träume und Wünsche haben. Dennoch leben wir im Hier und Jetzt.
Umgekehrt ist es genauso. Wenn wir ständig Zeiten oder Dingen nachtrauern, die es nicht mehr gibt. Früher war eben nicht alles besser.
Liebe Grüße
Sabine
Volle Zustimmung. Wer auf bessere Zeiten wartet, wartet sein ganzes Leben lang. Ich versuche einfach, mir jeden Tag so schön es geht zu machen. Allerdings warte ich nicht mehr unbegrenzt auf Menschen. Mir meine Lebenszeit zu stehlen, in dem man mich parkt, weil der Person das eigene Chaos wichtiger ist als meine Lebenszeit, akzeptiere ich nur noch in absoluten Ausnahmefällen. Im Restaurant bestelle ich mir dann bereits mein Essen, einen Warteplatz verlasse ich und im Zweifelsfall gibt es keine weitere Verabredung.
@Karte im Wallet I feel you … das kann überraschend mühsam sein. Die kleinen Freuden und Erfolge des Alltags sind so wichtig!
Hab eine Woche mit viel Glow!
Liebe Nicole,
„Nicht jede Phase unseres Lebens müssen wir überwinden, damit es besser wird. …das schöne Leben ist da, wenn wir hinsehen“ hat mich gerade sehr berührt, weil ich (wieder mal) in einer Phase stecke, die ich gerne bereits hinter mir hätte. Aber wenn das Nervige vorbei ist, ist ja auch ein Stück Lebenszeit voll mit Chancen vorbei, die ich nicht bewusst genutzt habe!
Ich werde mich daher trotz der blöden Phase bewusst auf die Suche nach dem kleinen Glow machen!
Danke für deinen Impuls!
glg Barbara