
Geben wir es ruhig zu: Älter zu werden ist nicht immer eine 24 Stunden Party. Und die Liebe? Feiert sie noch jeden Tag sich selbst oder schwimmt sie im seichten Fahrwasser vor sich hin?
Der Roman von Gisela Klönne: Die Liebe, später, setzt sich auf sehr sensible Weise mit diesen Themen auseinander. Warum mir das Buch gefallen hat.

Die Liebe und das Alter- wie geht das zusammen?
Gisela Klönne schöpft in ihrem Buch mehr oder minder aus dem Vollen der Altersthemen. Sie schafft das auf diese beruhigend-beunruhigende Art, in der ich meine, das einige (oder alle?) von uns zumindest auch die Ansätze schon einmal durch Herz und Hirn getragen haben.
Denn ich glaube, jeder von uns ü40/ü50 Menschen denkt schon darüber nach, was noch alles kommt oder ob es das war? Wie fühlt es sich an, wenn man mit dem Menschen, den man einmal geheiratet hat oder mit ihm zusammenlebt, plötzlich wieder viel mehr Zeit zuhause verbringt, der dann komische Ideen hat oder eine Krankheit den Weg unterbricht?
Anselm und Kora erleben das für uns
Die beiden haben sich durch einen Zufall vor vielen Jahren am Kölner Hauptbahnhof kennengelernt. Was zunächst eine Zweckgemeinschaft darstellt, weil Anselm Kora sein Haus zur Verfügung stellt, als sie in Köln ankommt und er in Berlin arbeitet, wird dann Liebe und schließlich heiraten sie auch. Das ist jetzt ungefähr zwanzig Jahre her und nun ändert sich der Lebensentwurf des Paares.

Kora: Ein Herz, das stolpert
Kora ist Reporterin mit einer eigenen Talkshow. Sie liebt ihren Job und ihr Leben. Bis ihr Herz im gesundheitlichen Kontext stolpert. Sie braucht beinahe sofort eine neue Herzklappe und das wird ihr Leben gewaltig aus der Kurve tragen.
Denn die Operation ist kein Spaziergang und ihr Leben hängt am seidenen Faden. Nach der ersten Rehabilitationsphase, bekommt sie von ihrem Sender einen Aufhebungsvertrag. Prompt fühlt sie sich nicht mehr gebraucht und überflüssig.
Aber es ist nicht nur das: Durch diese Erkrankung läuft ihr Leben wie ein Film vor ihr ab. Sie möchte Dinge aus der Vergangenheit nachholen, aufarbeiten und Weggefährten wiedersehen. Was ist aus ihnen geworden?
Hinzu kommt, dass Anselm, der früher nur am Wochenende nach Hause kam, plötzlich dauernd da ist. Kora fühlt sich in ihrer Freiheit eingeschränkt.
Ist das das Leben, die Liebe, die sie immer wollte?

Anselm: Bemüht zusammenzuführen, was lange nur am Wochenende zusammen war
Anselm war Mitarbeiter in einem Ministerium in Berlin und darum unter der Woche immer dort Er hatte zwar eine Wohnung, hat es sich aber nicht besonders schön gemacht, denn sein Leben, das war daheim in Köln, wo sein Elternhaus, das er mit Kora umgebaut hat, ist, wo Kora war. Er lebte für die Wochenenden und ihre gemeinsame Zeit.
Jetzt ist er in Rente und möchte seine Pläne verwirklichen: Seine große Leidenschaft ist die Beobachtung von Insekten, er möchte für sich und Kora einen Badeteich bauen.
Als ihn ihre schwere Herzoperation und die Genesungsphase überrollen, ist er froh, dass Kora alles gut übersteht.
Er kann sich mit ihrer Wesensveränderung gar nicht abfinden: Sie sollten doch glücklich sein?

Anselm und Kora
Ihre Liebe war nie diese wilde Leidenschaft, wie Kora sie mit einem ihrer ehemaligen Partner hatte, aber sie war immer verlässlich und beständig und hat die beruflichen Trennung durch Vertrauen überstanden.
Auf diese Verlässlichkeit wollten sie ihre Zukunft im Alter bauen. Bis, ja, bis das Herz von Kora stolpert. Erst gesundheitlich und dann durch die Traumaerfahrung auch emotional.
Kora spürt, dass sie ihre offenen Fragen, ihren Wunsch nach Freiheit und ihre (beruflichen) Enttäuschungen bewältigen muss. So macht sie sich allzu selbständig und allein auf den Weg und lässt Anselm im Unklaren zurück.
Erträgt er das zunächst voller liebevoller Geduld, wird auch er irgendwann ungnädig.
Werden beide Antworten finden? Wird die Liebe diese Phase überdauern?

Das Buch und wie es mir gefallen hat
Die Schreibweise ist zunächst etwas ungewöhnlich, denn es ist eine Mischung aus Erzählstil und Literatur, für mich geht es über einen normalen Roman hinaus. Die Autorin beleuchtet beide Personen sehr sensibel, allerdings sind wir, auch durch ihre stärkere Umtriebigkeit, mehr bei Kora.
Wir begleiten sie durch Vergangenheit, Gegenwart und haben einen Ausblick auf die Zukunft.
Die Gedanken des Buches kann ich mir in dieser und in abgewandelter Form bei vielen von uns vorstellen und darum ist es sehr angenehm, die beiden zu begleiten.
Denn oft sehen wir ja auch in Bereichen unseres Lebens gar nicht, was schon alles wertvolles da ist. Denn das wäre wenn und Vergleiche sind immer auch ein kleiner Bestandteil des Lebens.

Das Buch ist eine schöne Art, das Alter und die Liebe aus literarischer Perspektive zu betrachten. Es war ein besonderes Leseglück.
Wäre das ein Buch für dich?
Alles Liebe,
Eure Nicole
Werbung: Der Link zum Buch ist ein reiner Hinweis. Ich verdiene nichts daran und wurde nicht für diesen Beitrag bezahlt. Herzlichen Dank an den Rowohlt-Verlag, dass sie mir dieses Buch zur Verfügung gestellt haben und für die freundliche und zuverlässige Zusammenarbeit.






Es klingt auf jeden Fall ausgesprochen interessant, was du zu der Geschichte, den Gründen für den Wandel und die Veränderungen im Leben der beiden beschreibst. Denn in der Lebensphase kennt man doch selbst und aus dem privaten Umfeld so einige Details, die einem so über den Weg stolpern können. Für mich ist es daher vom Thema definitiv ein Buch, das mir gefallen könnte. Was den Einfluss der literarischen Seite betrifft, würde ich hoffen, dem gewachsen zu sein.
Vielen Dank für deine wunderschöne Vorstellung!
Die Geschichte ist gut zu lesen und sehr nahbar, ich denke, sie würde dir gut gefallen. Und ja, es trifft, so glaube ich, einige, aber es wird wenig darüber gesprochen. Und darum ist ja auch das Interessante? Schaffen die zwei es?
Liebe Grüße
Nicole
Klingt nach einer Geschichte, wie sie das Leben für viele Menschen in dem Alter schreibt. Mein Mann hatte es eher in früheren Jahren der Beziehung schwer mit mir mit meinen beruflichen Veränderungen, bei denen ich ihn zu oft vor vollende Tatsachen gestellt und zu wenig ins Boot geholt habe. Und nicht umsonst kommt es auch im Alter der Protagonist_in noch zu Trennungen, wenn man feststellt, dass man fürs letzte Lebensdrittel kein gemeinsames Ziel mehr hat. Das Problem sehe ich hier im Haus weniger – aber man weiß ja nie …
Hab einen schönen Tag!
Ja, ich habe das auch so empfunden. Denn sowohl der Auszug der Kinder als auch Krankheit und der Eintritt ins Rentenalter sind bestimmt für viele Paare eine Herausforderung. Ich glaube, es muss gar nicht ein gemeinsames Ziel sein, aber der Blick in dieselbe Richtung und Verständnis sind sicher wichtig.
Du hast recht, man weiß nie, aber ich bin hier auch frohen Mutes.
Und das ist für uns beide sicher ein gutes Gefühl.
Das Buch beschreibt es übrigens sehr lebensnah.
Liebe Grüße
Nicole