
Die Regenschwimmerin zu lesen, war so bewegend wie bildhaft schön. Und ich möchte euch dabei mitnehmen, warum mich dieses Buch in seinen Bann gezogen hat.
Ich kannte die Autorin aus einem Neuwerk-Krimi und war sehr gespannt darauf, wie sie in einem anderen Genre schreibt. Dieses Mal führt sie uns nach Schweden und wir begleiten drei Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen auf derselben Insel weilen.
Und jede bringt ihre eigene Geschichte mit.

Die Regenschwimmerin – und was sie mit den beiden anderen verbindet
Das Buch erzählt die unterschiedlichen Lebensläufe von drei Frauen: Marga, Evelin und Judith. Judith und Evelin waren als Kinder immer im Urlaub mit ihren Eltern auf der Insel und waren beste und innige Freundinnen. Dann passiert etwas, dass ihre Freundschaft jäh beendet. Die beiden sehen sich nie wieder.
Warum der Zufall sie zur gleichen Zeit an ihren früheren Sehnsuchtsort zurückführt, ist natürlich die dichterische Freiheit der Autorin, für die Geschichte aber genau richtig.
Erzählt wird aus drei Perspektiven.

Marga – die Regenschwimmerin
Die Regenschwimmerin Marga ist die älteste der drei Frauen auf der schwedischen Insel und lebt seit 30 Jahren dort. Ein schwerer Schicksalsschlag hat sie in die Einöde eines kleinen Waldhauses getrieben, wo sie sich mit dem Fuchs Rusty die Terrasse teilt.
Was ihr widerfahren ist, das erfahren wir erst nach und nach. Ihr ursprünglicher Vermieter hat sie in dem Haus geduldet, einen Mietvertrag gibt es nicht. Sie lebt von ihrer Rente, ihrem Garten und ein paar Strickarbeiten.
Oft fragt sie sich, warum das Leben sie so lange allein leben lässt. Und bei aller Traurigkeit nimmt sie ihr Schicksal an. Am Ende wird sie für die anderen Frauen zu einer wichtigen Stütze und hilft ihnen dabei, wieder aufeinander zuzugehen.
Sie geht immer bei Regen im See schwimmen, darum ist sie die Regenschwimmerin und die Titelgeberin für dieses Buches.

Evelin – die Künstlerin mit einem anderen Schicksal
Als Evelin und Judith noch Jugendliche waren, war für Evelin immer klar, dass sie einmal eine Familie mit vielen Kindern haben wollte. Schon damals war sie sehr begabt beim Zeichnen und Malen und illustrierte die Notizen, die Judith schrieb.
Am Ende sollte ihr Leben dann ganz anders aussehen: Sie ist eine bekannte Malerin geworden und hat sich vollkommen ihrer Kunst gewidmet. Eigentlich lebt sie in London. Ohne Familie, aber sie unterhält eine On-Off-Beziehung mit dem einige Jahre jüngeren Theo. Dass dahinter aber viel mehr steckt, als Evelin sich eingestehen möchte erfahren wir im Verlauf des Romans.
Eines Tages spürt Evelin, dass ihre Finger taub werden, für sie als Künstlerin eine beängstigende Vorstellung.
Sie beschließt, an ihren Sehnsuchtsort in Schweden zurückzukehren, um sich darüber klar zu werden, wie es mit der Malerei weitergehen soll.
Ihr Onkel besitzt dort eine Fischerhütte, die zwar Strom, aber kein fließendes Wasser hat.
Dass sie dort auch auf Judith treffen wird, ahnt sie nicht.

Judith – sehr karrierefokussiert, frisch getrennt und…
Judith, die immer die wildere der beiden Freundinnen war, wollte immer Schriftstellerin werden, hat sich diesen Traum jedoch nie erfüllt. Stattdessen arbeitet sie zunächst als Lektorin in einem Verlag, wird dann Projektleiterin. Ihre Liebe zu Büchern durfte sie also auf andere Weise leben.
Dabei ist offenbar einiges andere in ihrem Leben zu kurz gekommen. Ihre Ehe und das Verhältnis zu ihrer Tochter haben unter diesen Prioritäten gelitten. Umso härter trifft sie dann die Nachricht, als ihr Mann Jens verkündet, dass er sich von ihr trennen wird.
Zuhause fällt ihr die Decke auf den Kopf und sie beschließt, an den Ort ihrer Jugend zurückzukehren. Sie mietet sich im Gästehaus von Tuva ein, einer Frau, die sie seit damals sehr schätzt, die aber auch ein Geheimnis in sich trägt.
Das Wiedersehen mit Evelin wird ihr Leben noch einmal ordentlich durcheinanderwirbeln.

Drei Frauen, drei Geschichten, ein Happy End?
Evelin und Judith nähern sich wieder an und geben der anderen auf dem jeweils neuen Weg Halt und Unterstützung. Ich möchte das hier nicht detailliert erzählen, denn ihr sollt das Buch ja selbst entdecken.
Auch Marga spielt dabei eine bewegende Rolle.
Das Buch hat für mich zwei Enden, die ich am Ende als abgeschlossen und bewegend empfinde. Aber es ist kein klassisches Wohlfühlbuch mit einer Schleife darum.

Wer sollte ‚Die Regenschwimmerin‘ lesen?
Das Buch ist für alle die, die es lieben, in besondere Geschichten einzutauchen. Geschichten, die eben auch nicht immer ganz gerade verlaufen können. Auch wenn ich ab und an Schnulzen mag, dieses Buch ist dichter an der Realität. Wenn ihr dazu feine Landschafts-Erzählungen und sich entwickelnde Geschichten mögt, könnte die Regenschwimmerin genau euer Buch sein.

Wie mir das Buch gefallen hat
Ich fand dieses Buch wunderschön geschrieben.
Nichts fühlte sich künstlich an. Die Bilder, die die Autorin mit ihrer Sprache und den Farben, die sie beschreibt, malt, sind so lebendig, dass ich das Wasser des Sees vor meinem geistigen Auge glitzern sah.
Ich saß mit am Grill, stand barfuß in der Morgenluft auf der Terrasse, sah das saftige Krebsfleisch und den italienischen Nudelsalat vor mir.
Und ja: Gerne hätte ich Jens einmal ordentlich geschüttelt und Evelin gesagt, dass sie Theo eine tiefere Rolle geben darf.
Es ist einfach zauberhaft-reell geschrieben und das macht es besonders.
Überrascht hat mich außerdem, wie gut es Romy Fölck gelungen ist, meinen Schalter zwischen ihrem Neuwerk-Krimi und dem ‚Umzug‘ nach Schweden in eine vollkommen andere Welt umzulegen.
Das Buch ist einfach schön.
Mögt ihr solche Geschichten? Kennt ihr die Autorin?
Alles Liebe,
eure Nicole
Der Link zum Buch ist ein reiner Hinweis. Ich verdiene nichts daran und wurde nicht für diesen Beitrag bezahlt. Herzlichen Dank an den Rowohlt-Verlag, dass sie mir dieses Buch zur Verfügung gestellt haben und für die freundliche und zuverlässige Zusammenarbeit.






Ich hab von Romy Fölck zuerst „die Rückkehr der Kraniche“ gelesen und fand das ganz besonders und stimmig. Vom Gefühl her ähnlich wie Du das von Ihrem neuen Buch beschreibst. Danach habe ich zwei von Ihren Elbsand Krimis gelesen, die fand ich nur noch ok und nicht mehr herausragend. Zur Regenschwimmerin hatte ich neulich schon eine Info und hoffte direkt, dass dieses Buch wieder an die Kraniche anknüpfen könnte. So wie Du schreibst, habe ich da Hoffnung. Es kommt auf jeden Fall auf meine Liste.
Danke für die Vorstellung
Für mich muss ein Roman ein stimmiges Ende haben. Das scheint hier der Fall zu sein.
Mir gefällt auch, dass die Natur bildhaft mit eingebunden ist.
Liebe Grüße
Heike
Bisher habe ich von der Autorin nichts gelesen. Das Buch würde mir vermutlich gefallen. Inwiefern hat es zwei Enden für dich?
Einen schönen Tag wünscht dir
Ines
Ich glaube auch, dass es etwas für dich ist. Ein Ende ist happy und ein eines ein bisschen traurig..
Hab auch du einen schönen Tag und
Liebe Grüße
Nicole