
Welchen Einfluss hat Kleidung auf unser Sein und unser Wirken? Wie wahr ist denn der Spruch, Kleider machen Leute?
Ich habe neulich einen spannenden Beitrag zum Thema Kleidung gelesen. In diesem Artikel ging es darum, ob es hinderlich ist, wenn man bestimmte Dinge beim Styling in Kauf nimmt oder weglässt. Hier war es unter anderem die Frage, ob man sich feminin kleiden darf, wenn man etwas ‚erreichen‘ möchte.

Macht die Kleidung den Menschen?
Die Überschrift ist zugegebenermaßen etwas provokant. Denn natürlich macht sie das nicht. Aber welche Bedeutung Kleidung haben kann, kann ich zumindest häufiger bei mir feststellen.
Das hat allerdings weniger mit dem Charakter eines Menschen zu tun, sondern mit dem ersten Eindruck. Ich hoffe, ihr versteht, was ich sagen möchte.

Mode als Leidenschaft
In meinem Beitrag über die Fülle meines Kleiderschranks haben wir uns in sehr schöner Weise darüber ausgetauscht, dass Kleidung eben auch Spaß machen darf und sollte. Und es dann auch in Ordnung ist, seinen Schrank zu füllen, ohne dass man den Überblick verliert.
Wenn man diesen Aspekt beiseite lässt, dann kommt durchaus auch die Frage auf, welche Kraft Kleidung besitzen kann und wie man sie einsetzen kann und darf.


Der offizielle Dresscode
Das ist wohl der bekannteste Punkt, wenn wir an Kleidung denken. Es ist eine von außen auferlegte Ordnung, weil der oder die Veranstalter ein besonderes Bild und eine ebensolche Atmosphäre bei ihrer Veranstaltung erschaffen wollen.
Manche der Codes sind klar, bei anderen darf man sich informieren, wie ich damals in Bucharest. Für mich ist es immer der Respekt an den Austragenden, dass ich versuche, mich daranzuhalten.
Es ist mir immer noch befremdlich, wenn Menschen in Jeans zu einem Ball kommen.


Der eigene Dresscode: Wie entscheidet man sich für seine Kleidung?
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich lege gerne meinen eigenen Dresscode fest. Warum? Zum einen hat es damit zu tun, dass ich mich wohler und selbstbewusster fühle, wenn ich das Gefühl habe, ‚passend‘ angezogen zu sein.
Zum anderen ist es für mich, wie bei einem formellen Dresscode, eine Wertschätzung an mein Gegenüber.



Persönliche Dresscodes bei Kleidung
An normalen Tagen ziehe ich mich in erster Linie für mich und mein Gefühl an. Ich mag das Gefühl, meine Kleidung auszuwählen und sie dann zu kombinieren. Kleidung kann dir Kraft geben und Ruhe vermitteln, sie gibt dir auch Präsenz.
Dennoch gibt es für mich auch außerhalb von Codes bestimmte Regeln, wie ich mich kleide, die auch anlassbezogen sein können. Natürlich spielt es auch eine Rolle, wie ich wahrgenommen werden möchte.

Meine Stimmung
Im Sommer mag ich es gerne heller und seit sich die Farben Pink und Orange in meinen Schrank gemogelt haben, verstärken sie mein Sommergefühl.
Manchmal brauche ich eine gewisse Ruhe und nehme mich mit meinen, ohnehin nie kreischenden Looks, noch mehr zurück.
Die Umgebung
Für mich gelten in bestimmten Umgebungen auch bestimmte Kleiderregeln. Als ich noch in einem öffentlichen Büro gearbeitet habe, war es mir immer wichtig, gepflegt gekleidet zu sein. Bestimmte Freizeitkleidung war für mich ein Tabu.
Wenn ich in ein Bekleidungsgeschäft gehe, freue ich mich, wenn die Berater geschmackvoll gekleidet sind. Mir gefällt in bestimmten Berufen auch das Tragen von schönen Uniformen, es hat etwas mit Identifikation zu tun. Und entschärft die Kleiderwahl.
Genauso gilt es für mich im Theater, bei Verabredungen, im Restaurant. Ich teile zwar nicht das berühmte Zitat der Jogginghose von Karl Lagerfeld, aber auch hier ist es für mich Respekt und Wertschätzung. Und Spaß.
Und ich würde es auch begrüßen, wenn es in bestimmten Institutionen, wie Parlamenten oder Behörden, eine Kleiderordnung gäbe.



Die Auswahl bestimmter Kleidung
Ich behaupte von mir, dass ich mich tagsüber nahezu immer aus dem Haus begeben kann, dennoch gibt es Tage, an denen ich sorgfältiger überlege.
Drei Kriterien für eine bestimmte Auswahl:
Mit wem treffe ich mich, wer ist mein Gesprächspartner?
Ist es ein eher geschäftsmäßiges oder freundschaftliches Treffen? Welche Botschaft möchte ich vermitteln, gibt es ein Ziel.
Für die ernsteren Dinge würde ich hier eine meiner Rüstungen wählen, was bedeutet, ein Blazer wäre immer dabei.
Wo findet das Treffen statt?
In öffentlichen Gebäuden, in Büros oder in einem Restaurant kleide ich mich manchmal anders, als wenn ich jemanden zu Hause besuche.
Wie möchte ich wirken?
Beides hat mit den oben genannten Punkten zu tun. Ich fühle mich aber in unterschiedlicher Kleidung anders. In einem Pulli habe ich eine andere ‚Haltung‘ als in einer Bluse oder einem Blazer.
Es macht mir nichts aus, dabei feminin zu wirken. Das hat bei mir aber überhaupt nichts mit dem Tragen einer Hose oder eines Rocks/Kleides zu tun.



Was mir fehlt
Als ich in Istanbul war und in dem Restaurant all diese besonders gekleideten Frauen gesehen habe (es war ein bisschen das SATC-Gefühl von früher), da habe ich mich tatsächlich ein bisschen underdressed gefühlt. Es würde mir gefallen, auch wenn es nicht sinnvoll oder modemathematisch ist, ein paar solcher Ausgehkleider zu besitzen. Bisher haben mich mein persönlicher Geiz und Verstand ein bisschen gebremst, gefallen würde es mir jedoch.
Überhaupt finde ich das Gefühl, sich besonders zu stylen, wirklich immer schön. Da können wir alle noch etwas übernehmen, oder?

Machen Kleider Leute?
Auf den ersten Blick würde ich sagen, dass es oft den ersten Eindruck bestimmt. Darum finde ich gepflegte Kleidung und ein sorgfältiges Styling durchaus wichtig, auch für das eigene Bewusstsein.
Allerdings spüre ich auch immer sehr genau, ob Menschen ‚ihre‘ Kleidung tragen oder verkleidet sind.
Aber am Ende zählen der Mensch und seine Botschaft. Das ist viel wichtiger. Kleidung bleibt dennoch auch oft in Erinnerung.
Wie ist eure Meinung dazu? Machen Kleider Leute?
Alles Liebe,
Eure Nicole






schwierige Sache, ich kenne sehr gut angezogen Menschen, die dennoch unangenehm sind. Ansonsten find ich einigermaßen dem Anlass angemessen gut. Was ich nicht mag sind so Vorschriften wie „weiße Bluse…“ weil ich in sowas schlimm aussehe. Bin daher meist in bunten Pulli oder Shirt unterwegs. Über Ball muss ich nicht grübeln, mangels Anlass.
Ich verstehe genau, was du meinst. Solche Menschen mag ich weder an- noch nicht angezogen. Ich finde, es muss auch keine weiße Bluse sein, auch wenn ich die liebe. Man kann auch anlassbezogen mit anderen Oberteilen gut und angemessen aussehen.
Abstrakt würdest du Ball aber sicher ähnlich betrachten, denke ich.
Liebe Grüße
Nicole
Liebe Nicole, ein wirklich spannender Beitrag! Ich finde es faszinierend, wie stark Kleidung unsere Wirkung auf andere beeinflusst – oft noch bevor wir überhaupt ein Wort gesagt haben. Sie ist nicht nur Schutz oder Dekoration, sondern eine Art nonverbale Kommunikation. Gleichzeitig sollte man aber nicht vergessen, dass Kleidung auch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit ist und nicht nur Erwartungen erfüllen muss. Am Ende zeigt sie nicht nur, wie wir wahrgenommen werden wollen, sondern auch wer wir sind oder sein möchten. An Dresscodes halte ich mich gerne. In Jeans zu einem Ball, niemals! Ich weiß was Du meinst mit den Damen im Restaurant. Ich finde eigentlich Du hast so viele Anlässe für solche Kleider, Du solltest vielleicht mal zuschlagen, wenn Dir eins über den Weg läuft. 😉
Ich wünsche Dir einen schönen Abend, ganz liebe Grüße Tina
Ich sollte gezielt einmal suchen 😅
Danke für deine Bestärkung. Und ich unterstütze jedes deiner Worte.
Denn Kleidung ist ein Gefühl und ganz viel mehr.
Ganz liebe Grüße
Nicole
Liebe Nicole,
Kleider machen Leute – das kann man gut finden oder auch nicht, aber es ist so.
Für mich persönlich ist es nicht so wichtig, was mein Gegenüber trägt, aber wenn jemand schlunzig aussieht, dreckige oder kaputte Klamotten trägt, dann ist das nur ok, wenn er gerade von einem wilden Abenteuer kommt.
Ich finde auch, dass es von Respekt dem Gegenüber zeugt, wie man ihm entgegen tritt.
Man kann mit Kleidung natürlich auch bewusst steuern, wie man von anderen wahrgenommen wird. Ich habe auch lange mit Kunden gearbeitet, da war ich auch immer ziemlich offiziell gekleidet. In meinen frühen Berufsjahren hab ich ab und an auf mein „Supernanny-Outfit“ zurückgegriffen, wenn ich schwierige Gespräche vor mir hatte.. ( Schwarze Anzughose, weiße Hemdbluse, schwarzer Pullunder ) – hat durchaus geholfen.
Kleidung macht aber auch Stimmung, vor allem auch die eigene. Mit ist es auch an Tagen, an denen ich nur zuhause bin, dass ich mich so anziehe, wie ich mir gefalle. Das ist dann Wertschätzung mir selbst gegenüber.
Liebe Grüße
Britta
Genauso empfinde ich es auch, liebe Britta. Und ich sehe es genau wie du: Kleidung ist ganz viel und drückt auch ganz viel aus.
Dennoch finde ich es sehr wichtig, auch immer den Menschen zu sehen.
Aber ich mag es dennoch, wenn ich gut gekleidete Menschen und Menschen mit Stil (der auch absolut unterschiedlich sein darf) sehe.
Und deine Wertschätzung teile ich, mache ich es doch genauso. Aber so eine richtig schicke Leisurewear, die würde mir auch gefallen.
Liebe Grüße
Nicole
Klar machen Kleider Leute und davon lebe ich :).
So ein schickes Ausgehkleid, was kein Ballkleid ist, fände ich sinnvoll für dich, weil du immer Anlässe dafür hast. Oder deine egelanten Röcke dürfen öfter getragen werden? Ich meine die aus Satin oder mit Plissee. Oder kaufe dir mal eine richtig schickes Seidenbluse (gibt es immer wieder traumhafte in dem Laden, in den du heute wolltest – warst du da?). Die macht viel aus, weil sie bei Tisch im Gegensatz zum Rock zu sehen ist – und würde auch zu den Röcken passen.
Jeans auf einem Ball geht gar nicht.
Mir hat Samstagabend jemand was Lustiges gesagt, als ich auf der abendlichen Hunderunde eine Homewearhose aka Jogginghose trug: „Du bist ja endlich normal geworden!“
Unnormale Grüße in ordentlicher Hose aka Jogpant sendet dir
Ines
😂😂😂
Ich mag Menschen, die Wert auf ihr Äußeres legen, sehr. Ich habe keinen Plisseerock und im Winter geht nur der dunkelblaue Satinrock. Aber ich liebäugele mit einem Braunen, räusper.
Wahrscheinlich möchte ich mich einmal gezielt auf die Suche nach solchen Kleidern/Bluse machen.
Vielleicht tröstet es dich: Ich wurde früher oft gefragt, warum ich einfach so am Tag Lippenstift oder einen Rock/Kleid/Blazer/Bluse trage.
Ich schicke dir einfach normal liebevolle Grüße
Nicole
Den dunklen Satinrock meinte ich. Dem habe ich das Plissee angedichtet.
Dann bleiben wir beide zusammen „unnormal“ :).
Und zwar unnormal schön
Kleider machen Leute, das war ja schon in der „Kaisers neuen Kleidern“ so und bei den Altvorderen sowieso.
Da war genau festgelegt, wer was tragen durfte, auch in der Tracht, und welche Haube die Frauen hatten oder nicht…
Was ich damit meine ist, dass wir Vieles noch in uns tragen von diesen Vorstellungen und daher natürlich nicht frei davon sind. Auch Farben sagen es: Königsblau, Kardinalrot, Smaragdgrün… oder das Schwarz der Designer*, Richter*oder PfarrerInnen…
Daher ist es gut, wenn wir uns überlegen, wie wir wirken wollen. Nicht übertrieben, aber schon mit Überlegung.
Ich teile Deine Einschätzungen und kann sie gut nachvollziehen.
Interessant finde ich, dass Dich die türkischen Frauen so beeindruckt haben mit ihrer chicen Kleidung.
Auf jeden Fall solltest Du Dir was in dieser Richtung zulegen. Das wäre wahrscheinlich noch eine neue Seite in Dir, die da zum Klingen käme. Anlässe dafür hättest Du bestimmt.
Herzliche Grüße von der casual gekleideten
Sieglinde
Du schreibst es sehr lieb und ich bin mir sicher, dass du phantastisch in casual ausschaust. Schon deshalb, weil dein Outfit sicher wundervoll garniert wurde mit den schönen Stücken von da sempre.
Und du hast Recht: Oft werden uns Vorstellungen auch eingeimpft, was einerseits nützlich und andererseits sehr doof sein kann.
Liebe Grüße
Nicole
Ich finde auch, man sollte die Kleidung und ihre Wirkung auf andere (erster Eindruck und so) und sich selbst nicht unterschätzen. Aber mir ist auch wichtig, dass ich mich den Tag über wohl fühle und nicht ständig auf den Sitz oder wie ich sitze achten muss. Am besten ist es, wenn ich gleich nach dem Anziehen das vergesse, was ich angezogen habe – Wichtig: nicht andersherum, was vergessen anzuziehen 😉
Die Jeans beim Ball finde ich egoistisch. Da schreit jemand nach Aufmerksamkeit und meint, es nicht nötig zu haben, sie wie alle anderen hübsch zu machen. Man sollte schon ein Gespür dafür entwickeln, was angebracht ist. Die Projektleiterin im Frottee-Strandkleid mit Spagetti-Trägern fand ich irritierend.
Und selber kämpfe ich mit der veralteten Regel, im Büro keine Zehen zu zeigen. Scheinbar darf man das mittlerweile aber es fühlt sich für mich komisch an – selbst mir sehr schicke Schuhen und gepflegt lackierten Fußnägeln. Manchmal ist es eine schmale Gratwanderung und manchmal könnten wir sicher mutiger sein. Aber halt nicht zu mutig – mit dem Strandkleid wird man mich niemals im Büro zu sehen bekommen!
Liebe Grüße!
Ich fühle deine Worte, mit Ausnahme der Sandalen. Und du hast recht: Die beste Kleidung ist die, an der man nicht zippeln muss und sie einfach vergisst. Ich musste lachen über den Satz 😂
Vor allen Dingen mutiger, wenn es mit aufrüschen zu tun hat, finde ich.
Und ich finde gut, dass das Strandkleid bei dir bleibt, was es ist: ein Strandkleid.
Liebe Grüße
Nicole
Moin von mir, aktuell in Yogahose und übergroßem Fleece gewandet – aber ich sitze auch noch am ersten Kaffee und bin nicht ganz zurechnungsfähig…
Für mich gilt: Ich gehe in sauberer und ordentlicher Kleidung aus dem Haus – es sei denn, ich habe den Hund dabei oder die Hunderunde findet im Dunkeln statt oder es regnet oder eine Kombination davon.
Im Job ist es leicht: Alles weiß, finde ich super und außerdem ist weiß sowieso eine meiner Lieblings“farben“. Früher in den verschiedenen Bürojobs war der härteste Dresscode zu Beginn meiner Berufstätigkeit Mitte der 80er, danach waren saubere, heile Jeans und entsprechende Oberteile immer statthaft genug.
Für abendliche Treffen suche ich mir die Kombinationen sorgfältig aus und habe dabei, ähnlich wie du, „Rüstungen“, die immer funktionieren. (Und Kombinationen, die je nach Stimmung gut sind oder gar nicht gehen.)
„Kleider machen Leute“ – jein. Natürlich sagen sie nichts darüber aus, ob jemand ein herzensguter Mensch oder ein Eierloch ist, aber Kleidung ist letztlich ein Ausdruck der Persönlichkeit und spielt daher beim ersten Eindruck für mich durchaus eine Rolle.
LG von
Marie, mittlerweile am 2. Kaffee und immer noch in Schlumpfklamotten
Ich mag auch Yogahose und Fleece (also lieber kuschelig, Fleece und ich sind nicht so eng, auch nicht in übergroß)
Was du über Kleidung sagst, das trifft es auch bei mir, allerdings kannst du mich auch im Blazer putzen sehen, wenn mir danach ist.
Meiner Meinung nach sind wir uns im Rest sehr gleich.
Liebe Grüße
Nicole