
Ich sitze im Zug und fahre von Berlin zurück in mein anderes Zuhause. Die Landschaft zieht am Fenster vorbei und ich denke an meine Blogserie Mehr Glow statt Alltagsgrau, denn der Beitrag für Montag möchte noch in die Tasten getippt werden.
Als ich über das Thema nachdenke, bleibe ich bei kleinen Augenblicken hängen, die uns den Alltag ohne großen Aufwand in null Komma nichts versüßen können.

Mehr Glow: Schöne Momente sind oft ganz leise, aber da
Die letzte Woche war schön, aber eben auch fordernd. Ich habe tolle Dinge erlebt, fühlte mich aber auch überreizt und überfordert. Natürlich ist das in gewisser Weise ein Luxusproblem, aber jeder von uns fühlt eben auch anders. Manches hat mich nachdenklich zurückgelassen, an anderer Stelle war ich aufgekratzt.
Während ich also aus dem Fenster schaue und wie üblich meine Augen etwas schwer werden, denke ich darüber nach, dass ich dennoch sagen kann, dass es eine schöne Woche war und es mir gutgeht. Und das liegt nicht zuletzt auch an diesen kleinen Augenblicken, die mich immer wieder lächeln und innehalten lassen. Momente, die wir in der Hektik des Alltages viel zu oft übersehen oder auch übergehen. Und genau das möchte ich heute mit euch teilen.
1. Die Natur hat eine just-make und keine To-do-Liste
Als ich in Den Haag das das Maeslant-Sperrwerk besuchte, was an sich schon faszinierend und interessant war, wiegten sich im trockenen Gras ein paar Wiesenblumen im Wind. Das war nicht nur schön anzusehen, sondern es gab mir auch das Gefühl, dass die sich gedacht haben, wir blühen einfach, egal, was die anderen Pflanzen so machen.
Vielleicht ist es genauso auch in unserem Leben: Wir müssen nicht dauernd optimieren, wir machen einfach. Denn ich bin sicher, dass dabei immer das Beste herauskommt.
Wenn du demnächst mal wieder mit etwas an dir haderst:
- Such dir etwas Schönes in der Natur oder deiner Umgebung, an dem dein Blick hängenbleibt.
- Schau einfach um dich herum: am offenen Fenster, in der Bahn, auf deinem Weg. Es gibt so viel Schönes

2. Warum Glow auch zwischen etwas passieren kann
Wir denken oft: Am Wochenende, da mache ich etwas besonders Schönes. Das ist dann in Ordnung, wenn es nicht Druck erzeugt. Aber auch in der größten Hektik kann etwas Schönes passieren.
- Jemand macht dir ein Kompliment (ich habe es gerade erlebt und war platt)
- Du gönnst dir eine Pause mit einem Getränk und atmest einfach durch (bei mir ist das meist Kaffee)
- Du singst laut im Auto mit oder hörst ein Lied, das dir Freude bereitet
- Es lächelt dich jemand freundlich an und du lächelst zurück
Es sind immer die kleinen Dinge und addiert ergeben sie eine große Freude.
Mein Tipp: Überlege dir jeden Abend (mind.) eine Sache, die an diesem Tag schön für dich war. Du kannst sie auch im Smartphone oder einem Notizbuch festhalten. Du wirst sehen, es gibt fast immer etwas.

3. Vielleicht schauen wir einmal mit einem anderen Blick auf unser Leben
Allzu oft bemängeln einige (oder wir), was noch alles ‚fehlt‘, nicht stimmt oder einfach doof ist. Dabei übersehen wir ganz häufig, was wir (bereits) alles haben, was unser Leben vereinfacht und/oder besser macht. Wir reden darüber, was alles nicht stimmt in diesem Land und übersehen alle unsere kleinen und großen Privilegien. Denn die haben wir: Freiheit, vermeintlicher Frieden, Demokratie, das sind alles keine Selbstläufer (mehr) und wir sollten das zu schätzen wissen.
Auch in unserem Alltag gibt es vieles, was wir als gegeben ansehen und was doch nicht selbstverständlich ist.
- Unser Balkon/Garten/Terrasse oder der kleine Park in der Nähe, wo wir auftanken und durchatmen können
- Unser Lieblingspulli, der uns nicht nur wärmt, sondern uns ein Gefühl von Wärme und Schönheit vermittelt
- Die Menschen in unserem Leben, die uns zwar manchmal ärgern, aber immer da sind und unser Herz wärmen
- Die besondere Freundschaft, um die wir uns wieder intensiver kümmern dürften
Wir müssen nicht alles erneuern, verändern, anschaffen. Wir dürfen auch zufrieden auf das schauen, was schon da ist.

4. Schönheit brüllt nicht, sie ist (auch) ein Gefühl
Nicht alles, was wir als schön empfinden, muss laut und schrill sein. Nein, oft sind es diese Momente, die uns einfach wohlig seufzen lassen. So wie neulich, als ich euch erzählte, dass ich einfach Glück gefühlt habe. Und dieses Gefühl kann vielfältig sein:
- Der Duft der frischen Bettwäsche, wenn man sich abends hineinkuschelt
- ein Eis, das wir in Ruhe genießen
- der Riegel Schokolade, den dir jemand hinüberschiebt
- In eine Decke gekuschelt dem Regen draußen zusehen
- die leichte Sommerbrise, die dich umgibt
- der Duft des Essens, das du zubereitest

5. Das Gegenteil von Alltagsgrau ist nicht Ereignis, es ist der kleine Glow zwischendurch
Bei dem Entfliehen vor dem Alltagsgrau denken wir oft ‚Ich muss mal raus‘, also reisen oder etwas erleben. Das Alltagsgrau bekommt aber auch Farbe durch:
- Den Lippenstift, den du auch außer der Reihe benutzt
- Dass du dich hübsch anziehst, auch wenn du nur zuhause bist (mache ich fast immer)
- Beim Kochen tanzen und Musik hören
- Über ein Cartoon lachen und zwar auch im Nachklang
- Wenn du dir selbst frische Blumen schenkst oder eine besondere Schokolade
- Wenn du etwas Neues (ein Rezept) ausprobierst

6. Attraktivität ist selten perfekt
Ist dir schon einmal aufgefallen, dass wirkliche Attraktivität nicht perfekt sein muss? Dass du echte Personen, die sich ungefiltert zeigen oft viel schöner findest. Viele von uns spüren einen gewissen Druck, jünger oder attraktiver aussehen zu müssen. Gerade in der letzten Woche habe ich eine sehr attraktive Frau getroffen, die sich nicht ‚traut‘, ein ärmelloses Kleid zu tragen oder ihre Knie zu zeigen. Auf meine Frage, ob sie das hässlich fände, sagte sie, nein, das Alter. Dieses Argument finde ich traurig. Ich nutze es nicht, aber ich fühle mich traurig, wenn ich so etwas höre.
Wenn ich an Schönheit bei Menschen denke, dann ist das nie das große Ganze.
Es ist:
- Das laute und echte Lachen oder Lächeln, das auch die Augen erreicht
- Das ist ein Mensch, der etwas zu sagen hatte
- Das ist eine warme Umarmung
- Das ist ein besonderer Style, der nicht meiner sein muss

7. Glow statt Alltagsgrau: Urlaub im Alltag?
Urlaub ist die vielleicht schönste, aber auch kürzeste Zeit des Jahres. Warum sollten wir uns also im Alltag nicht ab und an oder regelmäßig ein paar Urlaubsmomente gönnen? Das muss ja nichts großes sein, auch hier tun es die kleinen Dinge:
- Der Cappuccino bei deinem Lieblingscafé, nicht in Hektik genossen, sondern ganz bewusst und in Ruhe
- Den Sonnenaufgang- oder auch untergang bestaunen und genießen
- Einen schönen Ausblick oder ein hübsch dekoriertes Haus bewusst bewundern
- Einen schönen Me-Time Moment schaffen, in dem du genau das machst, was dir guttut

Warum sehen wir die schönen Dinge erst, wenn sie vorbei sind? Ich versuche oft, meine Stadt mit den Augen von Touristen zu sehen, die das erste Mal kommen. Und glaubt mir, man sieht andere Dinge als nur den Alltag.
Was Glow statt Alltagsgrau für mich auch bedeutet
- Genießen ohne schlechtes Gewissen oder sich selber Druck zu machen, in deinem Zeitrahmen, den du dir nimmst
- Schönheit eben auch in den kleinen Dingen zu sehen, wahrzunehmen und sie zu würdigen zu wissen
- Auch im Alltag liebevoll mit dir und anderen umzugehen
- Deine Bedürfnisse auch im Alltag wichtig nehmen
Ich bin mir sehr sicher, dass wir uns dann immer wieder einen Urlaubs- oder Genussmoment in unseren Alltag transportieren können.
Mein Glow-Moment heute
Während ich diesen Beitrag schreibe, erlebe ich diesen Glow Moment im Zug. Es ist alles ruhig, ich schreibe und schaue dabei zwischendurch aus dem Fenster. Und der Himmel ist einfach nur schön.
Und welchen Glow Moment hast du heute erlebt?
Alles Liebe,
Eure Nicole






Genau so. Es geht nichts über frische Bettwäsche oder ein leckeres Eis. Statt immer zu meckern, was blöd ist, lieber schöne Momente genießen. Natürlich darf man auch mal meckern. Ich finde, es nimmt langsam überhand. Da kommt man schnell in einen Sog. Vielleicht etwas weniger Social Media, dafür das wahre Leben.
Liebe Grüße
Sabine
Ich gebe dir recht, es ist echt viel. Aber leider auch im echten Leben. Wir können es besser machen und sollten genau das auch tun.
Liebe Grüße und eine fröhliche Woche für dich
Nicole
„Wir denken oft: Am Wochenende, da mache ich etwas besonders Schönes.“
Kann man machen. Viel wichtiger finde ich allerdings wie du, im Alltag besonders schöne Dinge einzuschieben. Wie euer besonderes Essen kürzlich in Berlin. Oder einfach mal einen Tag unter der Woche für einen Ausflug freizunehmen, wenn es passt. Das Leben besteht aus mehr Mo-Fr als Wochenende und Urlaub.
Frische Bettwäsche gehört definitiv zu den Glücksmomenten, auch wenn das Beziehen und Waschen dazu gehört. Der Lohn ist die Arbeit wert. Darauf freue ich mich heute Abend.
Komm gut in die neue Woche!
Du hast recht, weil diese Sachen dann auch ungezwungener sind. Das mag ich sehr. Unter der Woche ist hier eher selten, aber es macht was.
Ich denke beim Waschen und Beziehen dann immer an das duftige Gefühl und das macht es leichter.
Liebe Grüße und eine schöne Woche für dich
Nicole