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Wo ist unsere Ausdauer geblieben? Zwischen Komfort und Ungeduld

Seit einer Weile beobachte ich den Verlust einer Tugend: Ausdauer. Ganz ehrlich (mit einem Zwinkern): Ich weiß gar nicht, wie Menschen meiner Generation es bis hierher gebracht haben.

Wir sind die, die vieles noch nicht lange im Voraus planen konnten oder schon vorher alles wussten. Wir mussten uns erst ans Internet gewöhnen und tun es vielleicht noch. Und dennoch ist bei vielen Dingen unsere Ausdauer auf der Strecke geblieben, Geduld keine Tugend mehr, sondern einfach komisch?

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Ausdauer: Heute schon wissen, was auf der Karte (des Lebens) lauert

Den Gedanken an diesen Beitrag trage ich schon länger mit mir herum. Aber so richtig tastenzappelig wurden meine Finger, als uns dieser echte, richtige, weiße Winter ‚überraschte‘.

Denn die Geduld mit demselben und den schönen Schneebildchen fand dann doch rapide ein Ende und alle wollen Frühling. Während sie auf der anderen Seite die schnelllebige Zeit beklagen.

Auch ich mag die warme Jahreszeit viel lieber, aber ich gestehe, der Winter dieses Jahr hat es mir, allen Unannehmlichkeiten zum Trotz, ein bisschen angetan. Denn er kommt gerade nicht als eine endlose Verlängerung des Herbstes daher, sondern als authentischer Winter.

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Kaum da, soll er wieder weg

Und während er im letzten Jahr zu grau, zu nass, zu windig war, ist er in diesem Jahr: zu weiß und zu kalt.

Während wir die ersten Schneebilder noch bejubelten und sie uns entzückten, sind wir nach drei Stunden: genervt und das kann dann bitte jetzt auch weg.

Gibt es da nicht etwas, das dafür sorgen kann?

Dabei zeigt sich die Natur, wie sie eben ist und kann. Und Frühling sollte sich jetzt auch nicht vordrängeln, denn sonst könnte es sein, dass es schnell zu warm oder zu trocken ist.

Es ist ja nicht nur der Winter

Ich spüre diese Ungeduld allerdings nicht nur bei der derzeitigen Winterdiskussion. Ich kann euch einige Beispiele aufzeigen:

  • Der Weihnachtsmann hat noch nicht seinen Schlitten getrocknet, da frieren in den Läden schon die ersten Tulpen vor sich hin und die Christrosen dürfen in Urlaub fahren
  • Wir können das Ende einer Serie nicht erwarten, wir bingen durch (da nehme ich mich nicht aus, bei den Tulpen schon)
  • Wir bekommen so viele Wind-, Sturm- und Frostwarnungen, dass man vielleicht schon gar nicht mehr hinliest
  • Wir finden heute etwas toll, das morgen schon laaaangweilig ist
  • Die Osterhasen schubsen ihre Weihnachtskollegen aus den Regalen
  • Wir kennen jede Speisekarte, bevor wir ein Restaurant betreten
  • Wir folgen gebannt der Influencerin/Coachin, die mit nur einem Klick 6K erwirtschaftet
  • Wir folgen Entwicklungskurven bei Kindern und können gar nicht erwarten, dass sie endlich größer werden, bestimmte Fähigkeiten erlernen
  • Wenn das Paket nicht innerhalb eines Tages ankommt, fragen wir uns, was nicht stimmt (schimpfen aber über die Ausbeutung der Fahrer)

Wie gesagt, natürlich sind all diese technischen Errungenschaften schön, ich meckere und ich nutze sie auch, aber ganz nebenbei gibt es auch noch: das Leben. Und auf Dinge einfach zu warten oder abzuwarten. Ein Ziel oder eine Diskussion mit Geduld verfolgen.

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Einfach laufen lassen?

Nun möchte ich natürlich nicht mit dieser ‚Früher-Leier‘ beginnen. Aber früher gab es ein Testbild und dann war Schluß mit Fernsehen, der Winter war ein Winter und dauerte, so lange er dauerte, die Speisekarte hing draußen am Restaurant und wir widmeten uns mit mehr Ausdauer den Dingen.

Ich bemerke oft eine Ambivalenz zwischen: Wie lange dauert das denn noch? Kann man nicht? Und schwups, wird sich anderen Dingen zugewandt. Weil es gerade schicker ist.

So, wie wir uns mit Verve in Aktionen werfen, so schnell hüpfen wir zu anderem.

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Das macht etwas mit uns

Für mich entsteht dadurch eine Alltagshektik, die zusätzlich zu dem ganzen anderen Pulk, der da wartet, eine noch größere Erwartungshaltung oder Frust aufbaut. Auch, weil es noch nicht vorbei ist, angefangen hat oder neu wird.

Ich empfinde das als ungesund und würde mir wünschen, dass wir mit mehr Gelassenheit und Ausdauer auf viele Dinge schauen.

Tipps für mehr Ausdauer?

Ich habe mir angewöhnt, mehr im Moment zu verweilen. Denn erstens geht er mit meiner Ungeduld nicht schneller vorbei und zweitens macht es mich nur zusätzlich hektisch und unruhig. Und damit auch unzufrieden.

Meine Tipps:

  • Das Paket kommt (noch) nicht: Genieße die Vorfreude
  • Es ist immer noch Winter: Dann trage alle deine Pullis, kuschele dich ein, atme die kalte Luft. Denn es kann ja auch ganz schnell zu nass oder zu kalt sein.
  • Verfolge deinen Plan, dein Ziel mit Ruhe, dann kannst du auch feinjustieren
  • Dinge dauern manchmal wie sie dauern, dann passen wir unser Engagement entsprechend an und nehmen es nicht weg.
  • Wir folgen dem Weg, dann sehen wir auch die Blumen am Wegesrand.

Ich freue mich auf saisonales Essen, Obst, Gemüse, Blumen. Und in der Zeit genieße ich genau das und wünsche mir nicht etwas anderes herbei. Denn wie wir alle wissen, wächst das Gras auch nicht schneller, wenn man daran zieht.

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Aber die Zeit, die vergeht rasend schnell und darum sollten wir sie doch sinnvoll nutzen und genießen und nicht mit Unmut und der Frage, was wäre wenn, vergeuden.

Mehr Ausdauer- können wir das?

Ich glaube, dass wir alle wieder mehr Ausdauer lernen können, indem wir uns auf das besinnen, was ist. Und nicht der Meinung sind, es muss immer sofort etwas Neues und Besseres kommen. Vielleicht ist das Gerade ja gerade gut genug und richtig?

Denn Genuss bringt Glow und Glow ist gut.

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Was meint ihr? Sind wir zu ungeduldig?

Startet in eine schöne Woche,

Eure Nicole

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16 Kommentare

  1. Ja, die Zeit geht immer schneller und viele Menschen hetzen hinterher. Da bleiben Ausdauer und Geduld etwas auf der Strecke. Das Smartphone z.B. füllt ja auch jede Lücke, die vielleicht in Lange-weile ausarten könnte oder in Momente der Beobachtung oder gar Selbstreflexion. Ich übe Geduld, indem ich oft darauf verzichte mich so abzulenken und geduldig eben abwarte z.B. beim Arzt, auf den Zug, auf Verabredungen.
    Deine Tipps dazu sind auch genau richtig. Wir sind keine Kinder mehr, wir haben die Wahl: Ungeduld und -meist-Unzufriedenheit oder Geduld und – meist – Zufriedenheit.
    Manche unserer Freunde machen ein Event nach dem anderen, oft am selben Tag. Wie soll man da sich noch wirklich freuen können und etwas in die Tiefe sacken lassen? Mir ist das zu viel und gleichzeitig zu wenig. Denn wirklicher Glow kommt vom Genuss, wie Du schon schreibst. Und Genuss kommt von Genießen und dazu braucht es Zeit und Muse und manchmal sogar ein wenig Geduld…
    Herzlich
    Sieglinde

    1. Ich habe ganz oft noch den Erzieher unserer Kinder im Ohr: Kinder müssen sich langweilen können, sonst entwickeln sie keine Phantasie. Und das ist bei Erwachsenen, so glaube ich, nicht anders.

      Mir geht es wie dir: Ich verzichte (und/oder versuche es) an vielen Stellen bewusst aufs Smartphone, weil ich immer wieder registriere, wie sehr es auch ablenkt.

      Und was du über eure Freunde schreibst, das registriere ich auch in unserem Umfeld: Immer muss etwas los sein, ein Highlight jagt das nächste. Darum bin ich auch da absolut bei dir und sehe es ganz genauso. Es geht oft auch zulasten von Zufriedenheit und da sind wir auch wieder bei der Ausdauer.

      Liebe Grüße
      Nicole

  2. Ungeduldig bin ich im Beruf, weil ich schneller bzw. fließender arbeiten könnte, wenn die Technik mitspielen würde. Das nervt mich, weil ich meist viel zu tun habe.
    Privat kann ich nicht behaupten dass ich ungeduldig bin. Das habe ich mir
    abgewöhnt und meinen Frieden mit vielem gemacht. Da vergeht mir die Zeit eh meist viel zu schnell. 😅 Liebe Grüße Tina
    Ps deine Fotos sind wirklich sehr schön.❤️

    1. Erst einmal Danke für das Fotokompliment. Und ich verstehe deine Situation beruflich gut, das ging mir auch immer so. Und privat, da dauert es, bis es rausplatzt, aber wenn… 🙈

      Liebe Grüße
      Nicole

  3. Oh ja, Ungeduld ist meine Kernkompetenz! Und ich beobachte wie du eine Schnelllebigkeit, die ganz sicher durch moderne Techniken und andere Möglichkeiten entstanden ist.
    Weihnachtsnaschwerk direkt nach der Sommerblüte brauche ich nicht, die hinderliche Glätte auf den Straßen darf dagegen verschwinden😅 da bin ich wohl wirklich ungeduldig.
    Bei Ausdauer denke ich vorrangig an Durchhaltevermögen, eine gewisse Zähigkeit und Kondition. Auch hier denke ich, dass diese Tugenden in manchen Bereichen auf der Strecke geblieben sind.
    Ich würde mir wünschen, wenn durch genaues Hinschauen und Dankbarkeit für das, was man hat und evtl. schon erreicht hat und für manche Phase mehr Ausdauer und Geduld entwickelt würde. Das darf sich sicher jeder irgendwie auf die Fahne schreiben. Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht….und es wird auch nicht grüner als beim Nacgbarn 😉

    1. Genauso sehe ich das auch und darum sollte es in diesem Beitrag auch gehen. Dass wir zwischendurch innehalten und über das freuen, was ist.
      Ich bin selten ungeduldig, es sei denn, ich möchte etwas direkt und sofort.
      Liebe Grüße
      Nicole

  4. Liebe Nicole,
    die Medien, die Werbung lebt es vor und wir hechten hinterher. Der neueste heißte Scheiß von heute ist morgen schon völlig uninteressant. Ich versuche, eine gute Balance zu finden. Ist aber nicht immer ganz so einfach. Einerseits bin ich heute geduldiger als früher und brauche nicht immer alles sofort. Vor allem den vorgezogenen Wandel der Jahreszeiten. Auf Tulpen warte ich auch, bis Tulpenzeit ist – und ich hab viel Tulpendeko im Laufe der Jahre aus NL mitgebracht.
    Andererseits will ich auch keine Zeit mehr vergeuden, da bin ich ungeduldiger als früher. Früher habe ich mich z.b. bemüht, jedes angefangene Buch zu Ende zu lesen. Das mache ich heute nicht mehr. Da will ich die Zeit nicht mehr für hergeben.
    Zum Glück gibt es heute digitale Leseproben, das macht das etwas einfacher.
    Und Deine Fotostrecke finde ich auch sehr schön.
    Liebe Grüße
    Britta

    1. Danke dir, liebe Britta, für das Fotokompliment. Zeit nicht zu vergeuden hat für mich nichts mit Ausdauer sondern mit vollem Genuss zu tun. Die Buchsache habe ich nach einem Tipp meiner damaligen Buchhändlerin aufgegeben: Wenn’s bis Seite 95 nicht klickt, dann weg damit.
      Bei Leseproben geht es mir manchmal wie mit Film Trailern: Man sieht/liest den besten Ausschnitt.

      Bleiben wir genussvoll ausdauernd
      Liebe Grüße
      Nicole

  5. Jaaa, viel zu ungeduldig! Aber ich übe gerade jeden Tag indem ich meinen Pflänzchen beim Wachsen zuschaue. Wobei Ausdauer für mich eher bedeutet, dass man nicht so schnell aufgibt, wenn man etwas angefangen hat. Und nicht schon beim kleinsten Widerstand die Waffen streckt sondern auch mal die A..backen zusammenkneift und etwas zum Ende bringt. Nicht zwanghaft aber eben bei wichtigen Dingen auch mit der nötigen Konsequenz (Jammern ist trotzdem erlaubt 😉). Ist aber auch nicht selbstverständlich.
    Liebe Grüße!

    1. Ja, das zählt auch dazu, natürlich. Dieses A..backen zusammenkneifen fehlt tatsächlich häufig, das fällt mir auch auf.
      Ich bin da bei dir.

      Liebe Grüße
      Nicole

  6. Ich glaube auch, dass diese Ambivalenz uns allen vertraut ist. Wir genießen Technik, Tempo, Auswahl – und sehnen uns gleichzeitig nach Tiefe, Ruhe, „echtem“ Erleben. Vielleicht ist Ausdauer heute kein Mangel an Fähigkeit, sondern eher eine bewusste Entscheidung gegen das Dauer-Scrollen, Dauer-Optimieren, Dauer-Weiter – nicht alles sofort wegwischen, nicht alles beschleunigen, sondern einfach mal dableiben. Aushalten. Genießen.
    Liebe Grüße,
    Claudia

  7. Deine Fotostrecke im Beitrag gefällt mir heute besonders gut. Das erstmal vorweg.

    Ausdauermangel ist nichts, was mich im Alltag belastet. Ich lebe maximal effizient und effektiv, aber das ist Pragmatismus und kein Mangel an Ausdauer. Deshalb hält sich die Alltagshektik hier in Grenzen. Bis ich mal hektisch werde, muss echt viel passieren. Die Fülle deines Kalenders und des letzten Jahres wäre gar nichts für mich.

    Dass es Speisekarten online gibt, finde ich als krüsche Person übrigens super. Das hat mir schon so manchen kulinarischen Fehlbesuch erspart.

    Komm gut in die frische Woche!

    1. Erst einmal Danke für das Kompliment.
      Effektiv zu leben, hat auch nichts mit Ausdauer zu tun. Und es trifft ja auch nicht jeden. aber es fällt mir tatsächlich zunehmend auf.

      Dir auch eine schöne Woche
      Nicole

  8. Ich glaube, dass wir Menschen in Deutschland grundlegend die Angewohnheit haben, erstmal über alles und jeden zu meckern. Als Kind habe ich das noch nicht so empfunden. Da wurde im Winter der Schlitten aus der Garage geholt und los ging es zum Rodelberg.

    Das „Problem“ heute sind die oft extremen Wetterbedingungen. Zu viel Schnee oder Regen, zu viel Sturm und oft unberechenbare Wetterverhältnisse. Das gab es zwar früher auch schon, aber nicht in diesem Ausmaß. Und davor haben die Menschen Angst. Ich gestehe, dass ich die Kälte (körperlich) nicht gut vertrage. Schon als Kind habe ich schnell gefroren. Von daher bin ich froh, wenn es wieder wärmer wird. Das Wetter können wir persönlich (zum Glück) nicht ändern und müssen es nehmen wie es kommt.

    Durch die heutige Schnelllebigkeit sind wir insgesamt ungeduldiger geworden. Da stimme ich dir voll zu. Ändern können wir das nur, indem wir uns selbst zur Ruhe und Geduld aufrufen.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Ich bin erleichtert, dass du diese Ansicht teilst. Einerseits meckern wir, andererseits übersehen wir dabei die schönen Dinge. Natürlich habe ich Verständnis, dass man Kälte nicht mag oder sich auf die wärmere Jahreszeit freut (ich übrigens auch). Aber ich denke eben, dass es ein bisschen verfrüht ist, Anfang Februar schon nach Frühling zu rufen oder immer über das Wetter zu meckern. Ich kenne Menschen, deren optimales Wetter ich gar nicht kenne. 😂

      Und ein bisschen Ruhe und Geduld steht uns allen gut.
      Hab eine geduldig schöne Woche.

      Liebe Grüße
      Nicole

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