
In den Scherben das Licht ist der neue Roman von Carmen Korn. Die Autorin schreibt über vergangene Zeiten und schon bevor ich auf diesem Blog Bücher vorstellte, war sie in meinem Leserepertoire vertreten.
Ines und ich schreiben heute über das neue Buch, du bekommst also auf ihrem Blog auch noch einmal einen anderen Einblick.
Findet man das Licht in den Scherben?
Die Handlung des Buches* verläuft durch mehrere Jahre des Wiederaufbaus im Deutschland der Nachkriegszeit. Die Autorin erzählt sehr eindrucksvoll, wie Menschen versuchen, sich in der Zerstörung ein neues Leben auf noch Erhaltenem oder aus dem Nichts aufzubauen. Wir begleiten einige von ihnen dabei.

Die Handlung bei der Suche nach dem Licht
Es beginnt im Oktober 1946 und der Ort der Handlung ist Hamburg. Wir lernen als erste Gisela kennen, die nach ihrer Rückkehr aus dem Frankenwald nach Hamburg ihr altes Zuhause sucht. Sie war wegen des Krieges dorthin verschickt worden.
Alles, was sie findet, sind die Trümmer ihres Elternhauses. Als sie frierend umherstreift, kommt sie am Haus von Friede, einer ehemaligen Schauspielerin vorbei. Die obere Etage ist zerbombt, in der unteren Etage brennt Licht.
Die Kellerfenster sind mit Pappe abgedichtet. Ob sie wohl wenigstens für eine Nacht heimlich im Keller bleiben kann?
Der Keller ist dunkel und als sie nach ihrer alten Taschenlampe greifen möchte, ruft ihr jemand zu, wer sie sei.

Gert nimmt sie auf
Gert, selbst noch ein Kind, beschließt, sie zumindest für eine Nacht in ’seinem‘ Keller schlafen zu lassen. Gisela sieht, dass er sich Teile der Möbel wohl aus den Ruinen zusammengeholt hat.
Die beiden kommen miteinander aus und Gert hat Skrupel, die kleine Gisela mit den Theaterschuhen wieder in die Wildnis zu schicken. Es scheint, als hätte sie niemanden mehr.
Friede gibt ihr Einverständnis, zumal das Mädchen auch noch kochen kann. Selbst aus den zunächst spärlichen Vorräten.

Eine Wohngemeinschaft entsteht
Nachdem die drei sich miteinander arrangiert haben, erfahren sie viel übereinander.
Friede war eine lebenslustige Dame mit zeitweise zwei Liebhabern. Einer davon war Jude, sie hat die Vermutung, dass der andere ihn verraten hat. Sie selbst war eines Tages zu feige oder ängstlich, ihn hereinzulassen. Danach wurde er deportiert.
Sie glaubt, er sei im Konzentrationslager umgekommen.
Suchaktionen und Wiederaufbau
Gert gibt für sich und Gisela Suchmeldungen bei der Behörde ab. Nachdem sie sich einigermaßen eingerichtet haben, kümmern sich beide um die Arbeitssuche und finden für damalige Zeiten gute Jobs.
Friede möchte ihr Haus wieder aufbauen, möchte sich aber nicht unter die Knechtschaft ihres ehemaligen Liebhabers begeben.
Da kommt ihr Robert gerade zur richtigen Zeit. Robert hat Gisela damals als Anhalterin mitgenommen und es besteht eine tiefe Beziehung zwischen den beiden, die allerdings rein platonisch ist.
Zunächst ist Gerd eifersüchtig, begreift aber schnell, dass er vor Robert nichts zu befürchten hat.

Eine stille Offenheit
Die Hausgemeinschaft der drei kommt sich näher und spricht auch offen über alles, was ihnen in diesem furchtbaren Krieg und davor widerfahren ist. Gisela scheint häufig Erinnerungslücken zu haben.
Durch eine Anstellung bei einem ehemaligen Verleger, der auch ihr Mentor wird, lernt sie Viktor, den ehemaligen Geliebten von Friede kennen. Er hat das Konzentrationslager überlebt. Und das Überleben hat er sich auf seine Lebensfahne geschrieben.
Da Friede aber zu Gisela gesagt hat, sie will nie mehr über ihn reden, behält das Mädchen die Begegnung für sich.
Neue Pläne und ein neues Leben?
Gisela hat Pläne mit ihrem Leben und mit Gert, sie möchte gerne in eines der neuen Hochhäuser einziehen, während es in ihrem Keller immer behaglicher wird.
Nachdem Robert die Renovierung der oberen Etage gelungen ist, beschließt Friede, eine Künstlerpension zu eröffnen. Robert und der diverse Lulu sind ihre ersten Mieter.
Lulu wurde von seiner Familie aufgrund seiner Orientierung verstoßen und findet bei Friede auch ein emotionales Zuhause. Denn die alte Dame ist sehr offen und tolerant, was dem jungen Mann sehr guttut.
Später zieht noch Marta, die eine Hassliebefreundschaft mit Friede verbindet, mit in das Haus.

Das Leben nimmt wieder Fahrt auf
Wir begleiten die Protagonisten dabei, wie sie Stück für Stück wieder zu ihrem Leben und auch einem gewissen Wohlstand zurückfinden. Friede spricht öfter laut aus, wie schnell das alles gegangen ist.
Auch werden wir Zeuge von Wiedersehen, tiefer Freundschaft und auch merkwürdigen Begebenheiten.
Wer findet sein Happy End? Finden Friede und Viktor wieder zueinander?

Wie mir das Buch gefallen hat
Ich beginne mit einem Zitat aus dem Klappentext:
Das Leben war doch schön, wenn man Menschen um sich hatte, mit denen man es teilen konnte. Das Schmerzhafte und das Gute.
Ich musste mich an den Schreibstil des Buches gewöhnen. Die Sätze sind oft kurz, abgehakt. Es fühlt sich an wie ein ‚Wie gesprochen so geschrieben‘.
Das Zitat bringt auf den Punkt, wie ich beim Lesen des Buches empfunden habe. Ich fand es schön, wie diese sich unbekannten Menschen begegnet sind. Wie Friede Gisela und Gert in ihr Leben ließ, obwohl sie zu dem Zeitpunkt auch nicht auf Rosen gebettet war.
Sie blieben einander bis zum Schluss eng verbunden und haben viele ihrer Emotionen geteilt. Es war beeindruckend zu lesen, wie Gisela und Gert in jeder Situation immer auch das Gute finden und sehen konnten.
Das hat die zwei durch eine schwere Zeit getragen.

Mein Fazit und meine Überlegungen
Das Buch hat mich am Anfang nicht vom Stuhl gerissen. Aber mir gefiel, wie einfühlsam die Autorin die doch sehr unterschiedlichen Charaktere gezeichnet und wachsen lassen hat. Meiner Meinung nach ist es schön, wenn man den einen oder anderen Ort in Hamburg kennt, aber es ist kein Muss.
Gab es mir zu viele gute Wendungen? Direkt nach Abschluss des Buches waren genau das meine Gedanken. Nachdem ich es ein bisschen in mir getragen habe, war es gut, dass es so war. Weil es zu dem Licht, das das Buch immer wieder bei aller Düsternis und Traurigkeit zum Leuchten brachte, einfach so gehört. Aber eine Person beendet den Roman für mich nicht befriedigend.
Es ist ein schönes Buch und ich gebe euch eine Leseempfehlung, wenn ihr die Thematik auch wichtig und faszinierend findet.
Ist das ein Buch für dich? Kennst du die Autorin?
Alles Liebe,
Eure Nicole
Der Link zum Buch ist ein reiner Hinweis. Ich verdiene nichts daran und wurde nicht für diesen Beitrag bezahlt. Herzlichen Dank an den Rowohlt-Verlag, dass sie mir dieses Buch zur Verfügung gestellt haben und für die wie immer freundliche und zuverlässige Zusammenarbeit






War wie immer schön, mit dir gemeinsam etwas zu lesen und zu verbloggen. Dass du ausgerechnet damit nicht zufrieden bist, wie der Roman für diese Person – ich weiß ja, welche du meinst – zu Ende geht, überrascht mich, weil mir die Person so grundunsympathisch ist, dass mir ihr Ende einfach egal ist. Ich bin herzlos mit ihr. Ist es dein Harmonie-Gen? Wünscht du ihr was Gutes? Oder hättest du einfach nur gerne gewusst, wie sie den restlichen Lebensweg geht?
Ich wollte wissen, ob Karma sich zeigen wird und wie es für sie ausgeht. Ich hätte ihr Einsicht gewünscht.
Danke für den Spaß und liebe Grüße
Nicole